Branchendaten


20.04.2021

Sozialpolitische Kerndaten - März 2021

Downloads:

Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2020 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

1. Anzahl der Betriebe

 

  • Die Corona-Pandemie hat dem Wachstumstrend der letzten Dekade einen spürbaren Dämpfer versetzt. Im Jahr 2020 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts preisbereinigt um 4,9 Prozent. Ursächlich für diesen Einbruch war vor allem der Lockdown im zweiten Quartal 2020. Er führte zu einem Einbruch von fast 10 Prozent. Ein Teil davon wurde im dritten Quartal wieder aufgeholt (8,5 Prozent). Das Wachstum setzte sich im vierten Quartal trotz neuerlichen Lockdowns auf niedrigem Niveau fort. Die Wirtschaft wuchs gegenüber dem dritten Quartal um 0,3 Prozent. Wachstumslokomotive war vor allem das Produzierende Gewerbe, während Teile des Dienstleistungssektors (vor allem Gastronomie, Handel, Tourismus und Eventbranche) einem zweiten Lockdown zum Opfer fielen.
  • Die Pandemie hat auch den Außenhandel beeinträchtigt. Die deutschen Exporte gingen im Jahresdurchschnitt preisbereinigt um 9,4 Prozent zurück und die Importe um 8,5 Prozent. Der Außenhandelsüberschuss (Außenbeitrag) verschlechterte sich um 0,9 Prozent.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie waren im Jahr 2020 insgesamt 480 Betriebe registriert. Dies waren – trotz Pandemie – nur drei Betriebe weniger als im Vorjahr. Dennoch ist dies im hier gewählten Betrachtungszeitraum ein Tiefststand.

 

2. Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten

  • Die konjunkturelle Abschwächung hat sich negativ auf die Beschäftigungsentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie ausgewirkt. Im Jahr 2020 zählte die Branche im Jahresdurchschnitt 83.954 Beschäftigte. Im Vergleich zum Vorjahr waren 1.228 Personen weniger beschäftigt. Das entspricht einem Beschäftigungsrückgang von 1,4 Prozent. Gegenüber dem Beschäftigungshöchststand im Jahr 2018 hat sich die Beschäftigung um 2.734 Personen vermindert. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent
  • Ein Blick auf die Beschäftigungsentwicklung im Jahresverlauf 2020 spiegelt die durch den Lockdown im zweiten Quartal und dem Nachholprozess im dritten Quartal induzierten konjunkturellen Wechsellagen auch in der Papierverarbeitenden Industrie wider. Die Beschäftigung lag im dritten Quartal um 0,2 Prozent über dem Niveau des krisengeschüttelten zweiten Quartals. Im letzten Quartal 2020 ging die Beschäftigung im Vergleich zum dritten Quartal wieder leicht um 0,1 Prozent zurück.
  • Nimmt man das Jahr 2010 als Ausgangspunkt einer langfristigen Betrachtung, blieb die Beschäftigung nahezu unverändert. Dieser Jahresvergleich (2020 versus 2010) verdeckt allerdings, dass einem kurzen dynamischen Aufschwung in den Jahren 2017 und 2018 eine Phase der Seitwärtsbewegung vorausging (2010 bis 2016) und eine Phase des Beschäftigungsabbaus folgte.

3. Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

  • Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter belief sich in der Papierverarbeitenden Industrie im Jahresdurchschnitt 2020 auf 3.550 Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von 1,9 Prozent. Damit hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr etwas abgeschwächt. 2019 erhöhten sich die Bruttoentgelte um 2,5 Prozent. Angesichts der Pandemie und der damit verbundenen Kurzarbeit ist der Zuwachs aber beachtlich, zumal er je Arbeitnehmer berechnet wurde. Je Stunde lag der Anstieg sogar bei 2,3 Prozent.
  • Ursächlich für den Anstieg waren die Lohnsteigerungen in den ersten drei Quartalen. In diesem Zeitraum ergab sich bereits ein Plus von 2,0 Prozent. Im vierten Quartal 2020 hat sich die Dynamik demnach abgeschwächt.
  • Angesichts der moderaten Inflationsentwicklung während des Pandemiejahres 2020 schlugen sich die Steigerungen der Bruttolöhne spürbar in steigenden Reallöhnen nieder. Dem Anstieg der Bruttolöhne in Höhe von 1,9 Prozent stand lediglich eine Teuerungsrate von durchschnittlich 0,5 Prozent gegenüber. Daraus ergab sich je Arbeitnehmer ein Reallohnzuwachs von 1,4 Prozent. Je Stunde gerechnet legten die Reallöhne sogar um 1,8 Prozent zu.

4. Tariflohnentwicklung

  • Seit Ende Januar 2021 wird in der Papierverarbeitenden Industrie über einen neuen Entgelttarifvertrag verhandelt. Ver.di ging mit einer Entgeltforderung von 4,8 Prozent für ein Jahr in die Verhandlungen. Die Arbeitgeber legten bereits in der ersten Runde ein „abschlussnahes Angebot“ vor. Dieses sah Entgeltsteigerungen von 2,1 Prozent in zwei Stufen (1,1 Prozent ab Oktober 2020, weitere 1,0 Prozent ab Februar 2022) bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor. Die sechste Verhandlungsrunde findet am 24. April 2021 statt.
  • Kalenderjährlich betrachtet ergab sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für 2019 je Stunde gerechnet eine Kostenbelastung von 2,9 Prozent und für 2020 eine von 2,8 Prozent. Das war spürbar mehr als in den Vorjahren und auch im gesamtwirtschaftlichen Vergleich überdurchschnittlich. In der Gesamtwirtschaft stiegen die Tarifverdienste 2020 je Stunde um 2,2 Prozent.
  • Preisbereinigt stiegen die Tariflöhne je Stunde in der Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2020 um 2,3 Prozent. Dadurch hat sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer spürbar erhöht.

 

5. Exportquote

  • Die Auslandsmärkte haben für die deutsche Papierverarbeitende Industrie bereits 2019 Jahr wieder etwas an Bedeutung gewonnen. Die Exportquote, also der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz, stieg von knapp 27 Prozent im Jahr 2018 auf gut 29 Prozent 2019. Im Jahr 2020 hat sich dieser Anteil allerdings kaum noch erhöht: Im Jahresdurchschnitt belief sich die Exportquote auf 29,2 Prozent.
  • Ein Blick auf die langfristige Entwicklung der Exportquote spiegelt den Wandel in der Umsatzstruktur der deutschen Papierverarbeitenden Industrie wider. In den vergangenen zwei Dekaden legte der Anteil der Auslandsgeschäfte im Durchschnitt der Branche um insgesamt rund 10 Prozentpunkte zu. Dabei lag die Exportquote im Zeitraum 2007 bis 2014 durchgängig mindestens auf dem derzeitigen Niveau. Bis 2018 konnten dann die Inlandsumsätze wieder an Gewicht zulegen.
  • Der leicht ansteigende Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz im Jahr 2020 erklärt sich daraus, dass die Inlandsumsätze im Zuge der pandemiebedingten Wirtschaftskrise stärker zurückgingen als die Auslandsumsätze. Bei den Inlandsumsätzen ergab sich ein Minus von 3,8 Prozent und bei den Auslandsumsätzen ein Minus von 3,1 Prozent. Negativ wirkte sich insbesondere das von der ersten Pandemiewelle stark beeinträchtigte zweite Quartal 2020 aus.

6. Umsatz

  • Im Jahr 2020 lag der Gesamtumsatz in der Papierverarbeitenden Industrie bei 20,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Umsatz des Vorjahres (20,9 Milliarden Euro) bedeutet dies einen Rückgang in Höhe von 3,6 Prozent. Nach dem Zwischenhoch der Jahre 2017 und 2018 war das Jahr 2020 nach 2019 bereits das zweite Jahr mit rückläufigem Umsatz. 2019 lag der Umsatzrückgang bei 1,9 Prozent.
  • Im langfristigen Vergleich lag der Umsatz zuletzt nur noch auf dem Niveau von 2010, dem ersten Jahr nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009. Trotz eines Zwischenhochs stagnierte die Papierverarbeitende Industrie während der letzten Dekade.
  • Die Papierverarbeitende Industrie leidet gegenwärtig unter einer Nachfrageschwäche aus dem In- und Ausland. Beim Auslandsgeschäft gingen die Umsätze vor allem im Handel mit Ländern außerhalb der Eurozone zurück. Im Euroraum gaben die Umsätze um knapp 2 Prozent nach, außerhalb des Euroraums um 5,8 Prozent. Dadurch stieg der Anteil des Kundengeschäfts im Euroraum am gesamten Auslandsumsatz geringfügig von 70 auf 71 Prozent. Auf das Kundengeschäft im sonstigen Ausland entfielen noch gut 29 Prozent.

7. Monatlicher Umsatz je Beschäftigten

  • Der Umsatz je Mitarbeiter ist in der deutschen Papierverarbeitenden zweimal nacheinander geschrumpft. Im Jahresdurchschnitt 2020 wurde ein monatlicher Umsatz von 19.994 Euro je Arbeitnehmer erreicht, im Jahr 2019 waren es 20.445 Euro und 2018 lag der Umsatz bei 20.486 Euro. Das Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums wurde 2020 um 2,2 Prozent unterschritten.
  • Der rückläufige Umsatz je Beschäftigten setzt sich aus einem Umsatzrückgang von nominal 3,6 Prozent und einem Minus bei der Anzahl der Beschäftigten von 1,4 Prozent zusammen. Dem Umsatzrückgang stand also kein entsprechender Rückgang bei der Beschäftigung gegenüber. Die Unternehmen haben demnach versucht, ihre Beschäftigten auch während der verschlechterten Wirtschaftslage zu halten.
  • Der mehrjährige Pro-Kopf-Umsatzrückgang wirkt sich auch im langfristigen Vergleich aus. 2020 lag er fast auf dem Niveau des Jahres 2010, dem ersten Jahr des Aufschwungs nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Allerdings liegt der aktuelle Wert deutlich über dem zwischenzeitlich erreichten Tiefstand aus dem Jahr 2015. Damals lag der Umsatz je Mitarbeiter bei lediglich 19.379 Euro. Das waren 3,1 Prozent weniger als 2020.

8. Entwicklung der Produktion

  • Die Corona-Pandemie hat auch die Produktion der deutschen Papierverarbeitenden Industrie in Mitleidenschaft gezogen. Legt man als Basis einer Betrachtung des Produktionsindexes das Jahr 2015 (2015=100) zugrunde, lag die Produktion im Durchschnitt des Jahres 2020 um 1,8 Prozentpunkte unter dem Basisjahr. Gegenüber dem Vorjahr ergab sich ein Rückgang um 2,2 Prozentpunkte. Damit hat sich – wie in der Industrie insgesamt – der schon 2019 einsetzende Produktionsrückgang beschleunigt fortgesetzt.
  • Wie in den anderen Wirtschaftsbereichen auch, gab es bislang die stärksten Produktionseinbußen im zweiten Quartal 2020, als die erste Infektionswelle das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben beeinträchtigte. Das Vorjahresniveau wurde in diesem Krisenquartal um 6,2 Prozent unterschritten. Im dritten und vierten Quartal des Jahres 2020 konnte dieser Einbruch nur teilweise kompensiert werden. Dabei verliefen nicht nur das dritte, sondern auch das vierte Quartal positiv. Gegenüber dem vierten Quartal 2019 legte der Produktionsindex im vierten Quartal 2020 unbereinigt um 2 Prozentpunkte zu. Kalender und saisonbereinigt gab er allerdings um knapp einen Prozentpunkt nach.
  • Im langfristigen Vergleich liegt die Produktion um mehr als 8 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2011. Damals lag der Produktionsindex im Jahresdurchschnitt noch bei 107,0.

9. Preisentwicklung

  • Die Erzeugerpreise der gesamten Industrie (ohne Energiegüter) stagnierten im Durchschnitt des Jahres 2020. Damit wurde die Phase ansteigender industrieller Erzeugerpreise aufgrund der nachlassenden Konjunktur und einer gesunkenen Kapazitätsauslastung unterbrochen.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie gaben die Erzeugerpreise 2020 im Jahresdurchschnitt nach. Gemessen am Erzeugerpreisindex (2015=100) lagen sie um 1,7 Prozentpunkte unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Damit hat sich die Branche vom gesamtindustriellen Preistrend abgesetzt. Dies war zuletzt 2017 der Fall. Damals stagnierten die Erzeugerpreise in der Papierverarbeitung, während sie in der Industrie insgesamt stiegen.
  • Wie auch in den letzten Jahren – und dabei insbesondere in den konjunkturellen Wechsellagen – zu beobachten, weisen die Erzeugerpreise der Papiererzeugenden Industrie erheblich stärkere Schwankungen auf. Das liegt zum Teil auch an den höheren Einflüssen von Energie- und Rohstoffpreisen in dieser Branche. Im Durchschnitt des Jahres 2020 lagen die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seit 2018 hat dort eine markante Preisanpassung stattgefunden.

10. Entwicklung von Produktivität und Lohnstückkosten

  • Im Jahr 2020 sind die Lohnstückkosten gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent gestiegen. Dies ist nach dem Jahr 2009 der stärkste Anstieg im Beobachtungszeitraum, der 2005 beginnt. Damals legten die Lohnstückkosten aufgrund des Nachfrageeinbruchs durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise und dem damit verbundenen Produktivitätsrückgang um 4 Prozent zu. Nach der Erholung im Jahr 2010 sind die Lohnstückkosten in jedem Jahr gestiegen. Dadurch lagen die Lohnstückkosten im Jahr 2020 um fast 30 Prozent höher als zehn Jahre zuvor.
  • Die Produktivität je Beschäftigten ist im Jahr 2020 arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Jahr 2019 um 1,5 Prozent zurückgegangen. Damit setzt sich der Trend nachlassender Produktivität weiter fort: Bereits seit 2012 gab es in der Papierverarbeitenden Industrie je Beschäftigten gerechnet keine nennenswerten Produktivitätsanstiege mehr.
  • Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ist die geleistete Arbeitszeit je Beschäftigten im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,4 Prozent kürzer, obwohl es 2020 mehr Arbeitstage als im Vorjahr gab. Dementsprechend fällt der Rückgang der Stundenproduktivität mit 0,1 Prozent deutlich schwächer aus.

Unsere Mitgliedsverbände

Sie verwenden Microsoft Internet Explorer.
Um Probleme bei der Anzeige dieser Website zu vermeiden, wechseln Sie bitte zu einem moderneren Browser.