Branchendaten


24.09.2020

Sozialpolitische Kerndaten - September 2020

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2020 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

1. Anzahl der Betriebe

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  • Die Pandemie hat infolge der gesundheitspolitischen Maßnahmen und der vielfältigen Auswirkungen auf die Angebots- und Nachfrageseite der weltweit betroffenen Volkswirtschaften das Wirtschaftsleben im zweiten Quartal 2020 so stark beeinträchtigt, wie kein Ereignis zuvor in den letzten sieben Dekaden. In der Europäischen Union wurde das Vorjahresergebnis um gut 14 Prozent unterschritten. Die stärksten Einbrüche gab es in Spanien (–22 Prozent), Frankreich (–19 Prozent) und Italien (–17 Prozent). In Deutschland sank das reale BIP im zweiten Quartal um gut 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Vereinigten Königreich waren es über 20 Prozent, in den USA knapp 10 Prozent. Die Sommermonate 2020 brachten eine ausgeprägte konjunkturelle Erholung in vielen Industrieländern, vor allem in China. Wenn diese Erholung nicht durch einen erneuten Lockdown unterbrochen wird, dann kann die globale Wirtschaftsaktivität und der Welthandel gegen Jahresende 2021 das Vorkrisenniveau erreichen.
  • Im deutschen Verarbeitenden Gewerbe unterschritt die Produktion im ersten Halbjahr 2020 das Vorjahresniveau um 22,5 Prozent. In der Papierverarbeitenden Industrie insgesamt waren die Einbrüche weniger stark ausgeprägt. Im Vorjahresvergleich gab die Produktion hier um 5,4 Prozent nach. Einzelne Teilbranchen hatten aber deutlich stärkere Einbrüche.

2. Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten

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  • Um schnelle und große Arbeitsmarktanpassungen infolge der in den einzelnen Branchen teilweise historisch gewaltigen Produktionseinbußen zu vermeiden, wurde in Deutschland die Kurzarbeit in hohem Umfang genutzt. Im Mai stieg die Anzahl der Kurzarbeiter auf 6 Millionen. Gleichwohl lag die Anzahl der Beschäftigten im zweiten Quartal 2020 um 434.000 Personen oder um 1,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau. In der Industrie war gleichzeitig ein Beschäftigungsrückgang in Höhe von fast 200.000 Personen zu verzeichnen. Das entspricht einem Minus von 2,6 Prozent.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland waren im ersten Halbjahr 2020 durchschnittlich 84.129 Personen beschäftigt. Die Beschäftigung geht also weiter kontinuierlich zurück. Das zeigt sich auch im Quartalsvergleich: Im zweiten Quartal 2020 lag der Wert bei knapp 83.700 Personen. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 bedeutet das ein Minus von 1.175 Personen oder 1,4 Prozent. Bei diesem Vor- jahresvergleich ist die statistische Umstellung zum Jahreswechsel 2019/2020 zu be- achten.
  • Im Vergleich zum 1. Quartal 2020 betrug der Beschäftigungsrückgang 1 Prozent. Mit 83.445 Personen lag die Anzahl der Beschäftigten im Juni 2020 um gut 1.000 Personen unter dem Stand vom Januar dieses Jahres.

3. Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

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  • Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbei- ter belief sich in der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Halbjahr 2020 auf 3.488 Euro. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 bedeutet das ein Plus von 2,8 Prozent.
  • Gegenüber dem 1. Quartal 2020 – damals lag das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter noch bei 3.415 Euro – ergibt sich ein Anstieg von 4,3 Prozent.
  • Angesichts der moderaten Teuerung schlagen sich die Steigerungen der Bruttolöhne in spürbar steigenden Reallöhnen nieder. Im ersten Halbjahr 2020 stand dem An- stieg der Bruttolöhne in Höhe von 2,8 Prozent lediglich eine Teuerungsrate von durchschnittlich 1,2 Prozent gegenüber. Dieser Effekt wird sich im zweiten Halbjahr 2020 noch verstärken, da die Teuerungsrate zuletzt weiter rückläufig war.

4. Tariflohnentwicklung

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  • Seit Februar 2019 ist ein Entgelttarifvertrag in Kraft, der eine Laufzeit bis zum 31. Ja- nuar 2021 vorsieht. In diesem Tarifvertrag wurde vereinbart, die Entgelte in der Papier-, Pappe- und Kunststoffe verarbeitenden Industrie ab dem 1. März 2019 um 2,8 Prozent zu erhöhen. Zum 1. März 2020 folgte eine zweite Stufenanhebung von 2,7 Prozent. Für die Monate November 2018 bis Februar 2019 gab es keine Anhebung der Tabellenwerte (Nullmonate). Die Ausbildungsvergütungen wurden zum 1. März 2019 um einheitlich 90 Euro erhöht.
  • Kalenderjährlich betrachtet ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für 2018 je Stunde gerechnet eine Kostenbelastung von 1,6 Prozent und für 2019 eine von 2,9 Prozent (nach 2,1 Prozent für 2017). Die gesamtwirtschaftliche Tariflohndynamik lag 2019 je Stunde gerechnet 3,0 Prozent.
  • Im Jahr 2019 hat sich der Anstieg der Tarifverdienste in der Papier-, Pappe- und Kunststoffe verarbeitenden Industrie demnach spürbar beschleunigt und sich der ge- samtwirtschaftlichen Tariflohndynamik angenähert. In realer Rechnung stiegen die Tariflöhne im Jahr 2019 um 1,5 Prozent.

5. Exportquote

  • "Im Durchschnitt der ersten sechs Monate dieses Jahres belief sich die Exportquote der Papierverarbeitenden Industrie auf knapp 29 Prozent. Das ist etwas niedriger als im Jahresdurchschnitt 2019, aber ganz leicht über dem Niveau des ersten Halbjahres 2019. Im langfristigen Vergleich sind anhand der Exportquote deutliche Veränderun- gen in der Umsatzstruktur der deutschen Papierverarbeitenden Industrie zu erken- nen. Zur Jahrtausendwende hatten die Auslandsumsätze ein Gewicht von rund 20 Prozent. Von 2007 bis 2013 notierte die Exportquote bei fast 30 Prozent.
  • Der höhere Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz der Branche resultiert daraus, dass der Inlandsumsatz im Durchschnitt der ersten sechs Monate um 4,9 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresniveau nachgab, während bei den Auslandsumsätzen ein Rückgang von 4,4 Prozent zu verzeichnen war. Im zweiten Quartal 2020 lagen die Umsatzeinbußen jeweils bei rund 8,5 Prozent.
  • Ob es im Gefolge der Corona-Pandemie zu deutlichen Verschiebungen bei der Um- satzstruktur kommt, hängt zunächst davon ab, ob sich die Inlandsnachfrage – auch unterstützt von den Konjunkturpaketen – schneller erholt als die Weltwirtschaft. Letz- teres wird nicht nur vom globalen Infektionsverlauf, sondern auch von den geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Irritationen bestimmt.

6. Umsatz

  • Der Umsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie lag im ersten Halbjahr 2020 bei 10 Milliarden Euro. Das waren knapp eine halbe Milliarde Euro oder 4,7 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Während sich die Einbußen im ersten Quartal 2020 auf 1,2 Prozent gegenüber Vorjahr beliefen, war im zweiten Quartal ein Umsatzrückgang binnen Jahresfrist von knapp 8,5 Prozent zu verkraften. Ein kleiner Teil des Rückgangs beruht auf den statistischen Umstellungen zum Jahreswechsel. Durch sie werden in der Branche weniger Betriebe verbucht, was sich entsprechend in einem niedrigeren Umsatz niederschlagen kann.
  • Die Anpassungslasten infolge der Corona-Pandemie resultieren in der Papierverar- beitenden Industrie in Deutschland sowohl aus den kräftigen Rückgängen auf dem Inlands- als auch auf dem Auslandsmarkt. Dabei waren vor allem die Geschäfte mit Kunden aus dem Euroraum stark betroffen. Im zweiten Quartal 2020 wurde hier ein Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 9,8 Prozent verzeichnet. Dagegen gaben die Geschäfte mit den Ländern außerhalb des Euroraums um 5,4 Pro- zent nach. Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr 2020 waren die Umsätze außer- halb des Euroraums noch nahezu stabil, während beim Euroraum-Umsatz ein Minus von 6,2 Prozent zu verzeichnen war.

7. Monatlicher Umsatz je Beschäftigten

  • Im Durchschnitt der ersten sechs Monate des Jahres 2020 belief sich der Umsatz je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf 19.847 Euro. Diese Leistungskennziffer liegt nunmehr deutlich unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums als auch unter dem Jahresdurchschnitt von 2019. Bei diesem Indikator ist ein langfristiger Vergleich insofern möglich, weil durch die Statistikumstel- lung sowohl die Umsatz- als auch die Beschäftigungsdaten angepasst werden.
  • Im ersten Halbjahr 2020 lagen die Umsätze je Beschäftigten um 3,2 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Während im ersten Quartal noch ein Plus in Höhe von 0,5 Prozent realisiert werden konnte, gab es im zweiten Quartal 2020 einen starken Einbruch von gut 7 Prozent.
  • Hinter diesem Rückgang im zweiten Quartal 2020 steht zum einen der starke Um- satzrückgang von fast 8,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Anzahl der Beschäftig- ten ging gleichzeitig um 1,4 Prozent zurück. Für das gesamte erste Halbjahr 2020 steht dem Umsatzrückgang von 4,7 Prozent ein Beschäftigungsrückgang in Höhe von 1,6 Prozent gegenüber.
  • Der Umsatz ging nicht nur aufgrund einer geringeren Absatzmenge zurück, sondern auch wegen rückläufiger Preise. Die Erzeugerpreise in der Branche gaben im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent nach. Preisbereinigt ging Umsatz je Mitarbeiter entsprechend um 1,4 Prozent zurück.

8. Entwicklung der Produktion

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  • Die Produktion der deutschen Papierverarbeitenden Industrie lag in den ersten sechs Monaten des von der Corona-Pandemie geprägten Krisenjahres 2020 um 2,5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Produktion der Branche bereits im vergangenen Jahr das Vorjahresniveau unterschritten hat.
  • Während im ersten Quartal 2020 die Produktion der Papierverarbeitenden Industrie noch leicht um 0,2 Prozent die Leistung im gleichen Vorjahreszeitraum übertreffen konnte, war im zweiten Quartal binnen Jahresfrist ein Produktionseinbruch in Höhe von 5,4 Prozent zu verkraften. Das ist stärker als der Rückgang im Gesamtjahr 2009, als die globale Wirtschafts- und Finanzmarktkrise die bis dahin stärkste Industriere- zession in Deutschland auslöste.
  • Der bereits im vergangenen Jahr sichtbare Produktionsrückgang in der Papierverar- beitenden Industrie dürfte sich auch im weiteren Verlauf des Jahres 2020 fortsetzten. Dabei war in der Branche bereits in den letzten Jahren nur eine Seitwärtsbewegung zu verzeichnen. Von dem Produktionsrückgang, der in der Branche von 2011 bis 2014 zu beobachten war, hat sie sich noch nicht wieder erholt. Mit Blick auf das erste Halbjahr 2020 liegt die Produktion der Papierverarbeitenden Industrie um 7,7 Prozent unter dem Niveau des letzten Höhepunktes im Jahr 2011.

 

9. Preisentwicklung

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  • Die starken Nachfrageeinbrüche infolge der Corona-Pandemie – sowohl die Inlands- als auch die Auslandsumsätze sind im zweiten Quartal 2020 stark zurückgegangen – haben bereits deutliche Effekte auf die industrielle Preisentwicklung.
  • Während in der gesamten Industrie (ohne Energieerzeugung) die Erzeugerpreise zu- mindest beim Blick auf das erste Halbjahr 2020 noch ganz leicht über dem Vorjah- resniveau notieren, waren in der Papierverarbeitenden und insbesondere in der Papiererzeugenden Industrie bereits deutliche Preisanpassungen zu verzeichnen.
  • Die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie lagen in den ersten sechs Monaten um 1,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau, im zweiten Quartal war dabei ein Preisrückgang von 2 Prozent eingetreten. In der gesamten Industrie gab es im zweiten Quartal einen Preisrückgang von 0,3 Prozent.
  • Deutlich ausgeprägtere Preisreaktionen gab es in der Papiererzeugenden Industrie. Hier dürften sich auch die infolge der Krise deutlich rückläufigen Energiekosten niedergeschlagen haben. Die Preisschwankungen sind hier in der Regel immer stärker ausgeprägt als in der Papierverarbeitenden und in der gesamten Industrie.

 

10. Entwicklung von Produktivität und Lohnstückkosten

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  • Im ersten Halbjahr 2020 sind die Lohnstückkosten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 4,2 Prozent gestiegen. Dies ist bisher der stärkste Anstieg im Vergleichszeitraum von 2005 bis heute. Haupttreiber des Lohnstückkostenanstiegs waren im ersten Halbjahr 2020 der Anstieg der Bruttoentgelte um 2,8 Prozent obwohl die durchschnittliche Arbeitszeit gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent kürzer ausfiel.
  • Die Produktivität je Beschäftigten ist im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjah- reshalbjahr kalender- und saisonbereinigt um 1,4 Prozent zurückgegangen. Damit setzt sich der Trend nachlassender Produktivität im Jahr 2020 weiter fort und hat sich im Vergleich zu den Vorjahren sogar noch beschleunigt. Bereits seit 2012 gab es in der Papierverarbeitenden Industrie je Beschäftigten gerechnet keine nennenswerten Produktivitätsanstiege mehr.
  • Da die geleistete Arbeitszeit je Beschäftigten im ersten Halbjahr 2020 kürzer ausfiel als im ersten Halbjahr 2019, unterscheiden sich Pro-Kopf- und Stundenproduktivität beträchtlich. Je Stunde gerechnet hat sich die Produktivität kaum verändert.

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