Branchendaten / HPV Branchendaten – Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung e.V.

Branchendaten

10.07.2018

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Berlin / Köln, Juni 2018

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie - Ausgabe Juni 2018

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2017 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

Anzahl der Betriebe

  • Die wirtschaftliche Zuversicht in Deutschland hat im Jahresverlauf 2018 deutlich nachgelassen. Das für die deutsche Wirtschaft wichtige Exportgeschäft hat spürbar an Schwung verloren. Während die geopolitischen Verunsicherungen im vergangenen Jahr offensichtlich die deutsche Wirtschaft nicht beeinträchtigt haben, so scheinen sie jetzt allmählich doch durchzuwirken. Die Zollpolitik der Amerikaner gegenüber ihren Nachbarn, der EU und China sowie der Gipfel der großen Wirtschaftsnationen Anfang Juni in Kanada haben unmissverständlich das schwieriger werdende wirtschaftliche Miteinander zum Ausdruck gebracht. Die Konjunkturprognosen für das Jahr 2018 wurden im Frühsommer merklich zurückgenommen. Nunmehr wird vom Institut der deutschen Wirtschaft nur noch ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von unter 2 Prozent erwartet, das ist ein Viertelprozentpunkt weniger als noch zum Jahresanfang. Die staatlichen Institute haben ihre Prognosen um bis zu 0,8 Prozentpunkte gesenkt.
  • Auch die deutsche Industrie verspürt immer weniger konjunkturellen Rückenwind. Die Auftragseingänge sind rückläufig, die Industrieproduktion trat im Verlauf des ersten Quartals mehr oder weniger nur noch auf der Stelle. Gleichwohl wurde das Vorjahresergebnis noch um gut 2 Prozent übertroffen.
  • Auch für die deutsche Papierverarbeitende Industrie fällt die Bilanz für die ersten drei Monate dieses Jahres gut aus. Die auf Basis der Produktion sichtbare Trendwende vom vergangenen Jahr hat sich weiter fortgesetzt.

Entwicklung der Beschäftigten

  • In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie waren im ersten Quartal 2018 im Durchschnitt über 86.000 Personen beschäftigt. Beim Vergleich mit den Vorjahresergebnissen sind jedoch deutliche Einschränkungen zu beachten, da in den vergangenen Jahren aus statistischen Gründen mehrere Schwerpunktverlagerungen von Betrieben stattfanden (siehe Vorbemerkung). Dadurch ist eine direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren und vor allem in der langen Frist nur einschränkt möglich.
  • Wird dieser statistische Effekt nicht berücksichtigt, dann lag die Anzahl der Beschäftigten in den ersten drei Monaten des Jahres 2018 um 1,8 Prozent beziehungsweise um knapp 1.500 Personen über dem entsprechenden Vorjahreswert.
  • Dabei muss auch beachtet werden, dass es innerhalb des Jahres 2017 einen deutlichen Beschäftigungsaufbau in der Papierverarbeitenden Industrie gab. Dieser Verlauf ist wiederum von der statistischen Umstellung nicht beeinflusst. Auch innerhalb des ersten Quartals 2018 nahm die Beschäftigung in der Branche merklich zu. Im März übertraf die Anzahl der Mitarbeiter das Niveau vom Januar um gut 0,9 Prozent oder um über 800 Personen.

Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

  • Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im Jahresdurchschnitt 2017 auf 3.390 Euro. Das entsprach einem Anstieg von knapp 2,4 Prozent. In diesem Gesamtjahreswert sind alle Sonderzahlungen – wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld – enthalten.
  • Im ersten Quartal 2018 lagen die Pro-Kopf-Bruttolöhne bei 3.262 Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres 2017 lag der Bruttomonatslohn noch bei 3.200 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,9 Prozent. Ein Vergleich des Quartalswertes 2018 mit dem Durchschnittswert für 2017 ist nicht zielführend, da Jahressonderzahlungen erst im dritten und vierten Quartal anfallen. Dadurch wird der Jahresdurchschnitt angehoben.
  • Aufgrund der gestiegenen Teuerungsrate nahmen die Reallöhne im ersten Quartal immer noch leicht zu. Der Anstieg der Realeinkommen wurde bereits im Jahr 2017 gebremst, weil die allgemeine Teuerung anzog. Sie belief sich 2017 auf 1,8 Prozent und im ersten Quartal 2018 auf gut 1,5 Prozent. Zuletzt (Stand: Mai) übertraf sie den Zielwert der Europäischen Zentralbank von „nahe 2 Prozent“.

Tariflohnentwicklung

  • Der letzte Tarifabschluss liegt nun eineinhalb Jahre zurück. Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten bis zum 31. Oktober 2018. Der Abschluss sah für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgte eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für das Kalenderjahr 2017 eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent (nach 2,0 Prozent für 2016). Dieser Anstieg entsprach der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik.
  • Im ersten Quartal 2018 blieben die Tarifverdienste im Vergleich zum ersten Quartal 2017 unverändert. Dies liegt daran, dass die erste Stufe des letzten Abschlusses zum 1. Januar 2017 wirksam wurde, die zweite Stufe aber erst ab dem 1. April 2018. In der kalenderjährlichen Rechnung erhöht sich der Tariflohnindex daher auch erst ab dem 1. April 2018. In der Gesamtwirtschaft errechnete die Bundesbank für das erste Quartal 2018 einen Anstieg der Tarifverdienste je Stunde um 2,3 Prozent.

Exportquote

  • Mit Blick auf die Zusammensetzung der Kunden waren in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie in den letzten Jahren deutliche Veränderungen zu beobachten. Nach der Jahrtausendwende haben über eine lange Zeit die Auslandsumsätze erheblich an Gewicht gewonnen. Die Exportquote, also der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz, nahm von weniger als 20 Prozent im Jahr 2000 durchgehend auf knapp 30 Prozent im Jahr 2007 zu. Danach stabilisierte sich die Exportquote auf diesem hohen Niveau und erreichte im Jahr 2013 mit 30,6 Prozent ihren bisherigen Höchstwert.
  • Danach setzte offensichtlich wieder ein anhaltender Strukturwandel in der Branche ein. Die Exportquote ging seit dem Jahr 2013 nahezu ununterbrochen zurück. Im ersten Quartal 2018 belief sich der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz auf unter 27 Prozent. Das entspricht ungefähr der Umsatzstruktur des Jahres 2005.
  • Die im ersten Quartal 2018 weiterhin rückläufige Exportquote ergibt sich daraus, dass die Inlandsumsätze erheblich stärker angestiegen sind als die Auslandsumsätze. Während die Geschäfte mit den Inlandskunden in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 4,6 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau lagen, legten die Auslandsumsätze binnen Jahresfrist um 2,9 Prozent zu. Damit setzte sich bislang die Entwicklung aus dem Jahr 2017 – also eine deutlich forciertere Belebung des Inlandsmarktes – fort.

Umsatz

    • In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 belief sich der Gesamtumsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf 5,3 Milliarden Euro. Das ist das beste Ergebnis seit vielen Jahren. Das Vorjahresniveau wurde um 4,2 Prozent übertroffen.
    • Ein direkter Vergleich mit den Vorjahreswerten ist jedoch nur eingeschränkt möglich, da es – nach den beiden statistischen Umstellungen zum Jahresbeginn 2015 und 2017 – jetzt zum Jahresstart 2018 eine weitere Schwerpunktverlagerung von Betrieben gab. Infolge der ersten beiden Revisionen fiel der Umsatz der Papier-verarbeitenden Industrie höher aus, die aktuelle Änderung führte dagegen zu einer Umsatzminderung.
    • Vor allem die Inlandsumsätze übertrafen deutlich, und zwar um 4,6 Prozent das entsprechende Vorjahresniveau. Bei den Auslandsumsätzen, die insgesamt um 2,9 Prozent im Vorjahresvergleich anstiegen, waren die Geschäfte mit den Kunden aus dem Euroraum bestimmend. Diese lagen im ersten Quartal 2018 um 5,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Dagegen gab der Auslandsumsatz mit Kunden außerhalb des Euroraums im ersten Quartal 2018 um 3,1 Prozent nach. In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie zeigt sich offensichtlich die sich abzeichnende Spaltung der weltwirtschaftlichen Dynamik. Während die Erholung in Europa noch anhält, lässt die Dynamik außerhalb Europas – auch wegen der politischen Verunsicherungen – mehr und mehr nach.

Monatlicher Umsatz je Beschäftigten

      • In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 belief sich der Umsatz je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf über 20.600 Euro. Diese Entwicklung wird in erster Linie durch die überdurchschnittliche Dynamik aus dem Inlandsgeschäft und beim Handel mit den europäischen Nachbarn angetrieben.
      • Damit wurde zum einen der Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums um 2,4 Prozent übertroffen. Real betrachtet stieg der Umsatz allerdings weniger stark. Für das erste Quartal 2018 lag das Plus real bei lediglich 1,3 Prozent. Da die Preise für die Herstellung von Papier und Pappe stärker gestiegen sind als die Preise für die Papierverarbeitung, ist im Gegenzug aber auch die Kostenbelastung gestiegen.
      • Unter der Annahme, dass es infolge der Statistikumstellungen zu einer mehr oder weniger gleichmäßigen Revision der Anzahl der Mitarbeiter und des Umsatzvolumens kam, ist ein Vergleich mit den vorhergehenden Jahreswerten möglich und aussagekräftig.
      • Offensichtlich hat sich somit auch im ersten Quartal 2018 die Trendwende aus dem Jahr 2016 weiter fortgesetzt. Nachdem im Zeitraum 2011 bis 2015 ein durchgehender Rückgang der Umsatzwerte je Mitarbeiter zu verzeichnen war, waren die letzten beiden Jahre wieder von einer anhaltenden Erholung geprägt. Das Umsatzvolumen je Mitarbeiter lag im Jahr 2017 erstmals seit dem Jahr 2012 wieder über der Marke von monatlich 20.000 Euro.

Entwicklung der Produktion

      • Die konjunkturelle Trendwende in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie wird – neben der guten Umsatzentwicklung – auch auf Basis der Produktion sichtbar. Jedenfalls war das Auftaktquartal 2018 noch von einer bemerkenswerten Aufwärtsdynamik geprägt.
      • In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 wurde der entsprechende Vorjahreswert bei der Produktion der Papierverarbeitenden Industrie um 1 Prozent übertroffen.
      • Im vergangenen Jahr konnte der über viele Jahre anhaltende Produktionsrückgang in der Branche endlich gestoppt werden. Zuvor war im Zeitraum 2011 bis 2016 die Produktion von Jahr zu Jahr durchgängig rückläufig. Beim Tiefpunkt im Jahr 2016 lag die Produktion um 7,2 Prozent unter dem Niveau des Jahres Rekordjahres 2011. Trotz der anhaltenden Erholung im ersten Quartal 2018 wird das Produktionsniveau vom Jahresdurchschnitt 2011 derzeit immer noch um 3,8 Prozent unterschritten.
      • Da der Produktionsindex auf Basis fachlicher Betriebsteile und nicht auf Betriebsbasis berechnet wird, ist der Vergleich mit den vorhergehenden Jahren nicht durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben verzerrt.

Preisentwicklung

      • Auf der Erzeugerpreiseebene ist in Deutschland nach einer langen Zeit mehr oder weniger stabiler Preise ein markanter Auftrieb zu verzeichnen. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe (ohne Energieproduktion) stiegen die Erzeugerpreise bereits im vergangenen Jahr deutlich, und zwar um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt an. In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 hat sich dieser Preisauftrieb leicht abgebremst fortgesetzt. Die industriellen Erzeugerpreise überschritten den entsprechenden Vorjahreswert um 1,9 Prozent. Das liegt zum einen an den wieder anziehenden Rohstoffpreisen. Zum anderen dürften sich aber auch die hohe Kapazitätsauslastung und die zumindest bislang hohe Nachfrage preistreibend zeigen.
      • Im Jahr 2017 waren die Erzeugerpreise in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie noch weitgehend stabil, 2018 kam es aber zu einem deutlichen Preisanstieg. Im Durchschnitt des ersten Quartals 2018 lagen die Preise um 2,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Dabei gilt aber zu beachten, dass in dieser Branche seit dem Jahr 2011 nur sehr moderate Preisbewegungen zu sehen waren.
      • In der Papiererzeugenden Industrie stiegen die Herstellungspreise in den ersten drei Monaten dieses Jahres sogar um 6,4 Prozent an. Die Preise waren aber über eine längere Zeit rückläufig, sodass die Anstiege seit 2015 eine Korrektur darstellen.

Entwicklung der Produktivität und Lohnstückkosten

    • Auch im ersten Quartal 2018 sind die Lohnstückkosten im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum gestiegen. Wie schon im Jahresdurchschnitt 2017 betrug die Steigerungsrate gut 1 Prozent und ist damit immerhin deutlich geringer als in den Jahren 2012 bis 2016.
    • Ein leichter Anstieg war bei der Produktivität zu verzeichnen. Nachdem die Produktivität je Beschäftigten zwischen 2012 und 2016 fünfmal in Folge gesunken war, blieb sie 2017 konstant und stieg im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2017 um 0,8 Prozent an.
    • Der Produktivitätsanstieg je Beschäftigten ergibt sich jedoch nur durch die Kalenderbereinigung. Denn in den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es weniger Arbeitstage als im ersten Vierteljahr 2017. Je geleisteter Arbeitsstunde gerechnet ist die Produktivität im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent gestiegen.
    • Steigen die Lohnstückkosten im weiteren Verlauf des Jahres 2018 im selben Tempo wie im ersten Quartal, würde sich im Jahresdurchschnitt 2018 gegenüber dem Jahr 2007 – also dem Jahr vor der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise – ein Zuwachs von insgesamt 21 Prozent ergeben.

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