Branchendaten

20.12.2019

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2018 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zuge ordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

 

Anzahl der Betriebe

• Das Tempo der deutschen Volkswirtschaft hat 2019 erheblich nachgelassen. Im zweiten und im dritten Quartal war auf gesamtwirtschaftlicher Ebene kaum noch Bewegung zu beobachten. Hinter diesem stagnierenden Gesamtbild steht eine gespaltene Branchenkonjunktur: Die Bauwirtschaft konnte im Jahresverlauf 2019 weiter expandieren, zumindest so stark es die Kapazitäten zulassen. Der Dienstleistungssektor hat zwar an Expansionstempo eingebüßt, er legte jedoch weiter leicht zu. Die deutsche Industrie steckt dagegen tief in einer Rezession – und zwar schon seit Mitte letzten Jahres. In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 lag die Industrieproduktion um 4 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Zeitversetzt reagierte auch die Kapazitätsauslastung in der Industrie. Ausgehend von einem sehr hohen Auslastungsgrad ist sie mittlerweile auf dem Niveau früherer Industriekrisen.
• Die deutsche Industrie bekommt aufgrund ihrer hohen Weltmarktorientierung die sich abkühlende Weltkonjunktur unmittelbar zu spüren. Geopolitische Verunsicherungen und offen ausgetragene Handelskonflikte belasten die Investitionsneigung rund um den Globus und dies hat sichtlich dem deutschen Exportgeschäft den Schwung genommen. Zudem verunsichert die Klimadebatte Verbraucher und Unternehmen.
• Auch die Papierverarbeitende Industrie in Deutschland konnte sich nicht von der allgemeinen Industrierezession abkoppeln. In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag ihre Produktion um 0,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

 

Entwicklung der Beschäftigten

• Im Gefolge der konjunkturellen Einschränkungen wurden auch in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie Beschäftigungsanpassungen vorgenommen. Im Durchschnitt der ersten neun Monaten des Jahres 2019 waren 85.644 Mitarbeiter in der Branche beschäftigt. Das waren durchschnittlich fast 900 Personen beziehungsweise 1 Prozent weniger Mitarbeiter als im gleichen Vorjahreszeitraum.
• Mit Blick auf das dritte Quartal 2019 fallen die Beschäftigungsanpassungen noch deutlicher aus. Im Durchschnitt der Monate Juli bis September 2019 waren in der Papierverarbeitenden Industrie 85.432 Personen aktiv. Der Rückgang gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum beläuft sich dabei auf 1,9 Prozent. Dabei gilt zu beachten, dass bis Oktober des vergangenen Jahres kräftig Beschäftigung in der Branche aufgebaut wurde. Seitdem ist der Arbeitseinsatz jedoch rückläufig. Im Vergleich mit dem vierten Quartal 2018 hat sich der Beschäftigungsrückgang im Jahresverlauf 2019 deutlich verlangsamt. Insgesamt wurde aber auch im Zeitraum Januar bis September die Anzahl der Mitarbeiter zurückgeführt.
• Die langfristige Beschäftigungsperformance der Branche ist gleichwohl immer noch beeindruckend. Im vergangenen Jahr wurde in der Papierverarbeitenden Industrie ein neuer Jahreshöchstwert erreicht. Dies sollte auch bei der aktuellen Bewertung der Beschäftigungsentwicklung berücksichtigt werden. Allerdings sind langfristige Vergleiche aufgrund von statistischen Schwerpunktverlagerungen von Betrieben nur mit Einschränkungen sinnvoll. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Umbuchungen von Betrieben und deren Mitarbeitern und Umsätzen vorgenommen.

 

Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

• Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im Jahresdurchschnitt 2018 auf 3.396 Euro. Das entsprach einem Anstieg von 0,2 Prozent. Im Vergleich zu den Jahren davor hat sich die Dynamik spürbar abgeschwächt.
• In den ersten drei Quartalen 2019 hat sich die Lohndynamik wieder beschleunigt. Der Bruttomonatslohn stieg gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent. Damit wird der Jahresdurchschnitt 2018 bereits leicht übertroffen, obwohl die Sonderzahlungen erst im vierten Quartal gezahlt werden.
• Der Anstieg der Bruttolöhne übertraf die Teuerungsrate in der ersten drei Quartalen deutlich. Die Verbraucherpreise stiegen lediglich um 1,5 Prozent.

 

Tariflohnentwicklung

• Der im Februar 2019 erzielte Tarifabschluss sieht vor, die Entgelte in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie ab dem 1. März 2019 um 2,8 Prozent zu erhöhen. Zum 1. März 2020 folgt eine weitere Stufenanhebung von 2,7 Prozent. Für die Monate November 2018 bis Februar 2019 gab es keine Anhebung der Tabellenwerte (Nullmonate). Der Entgelttarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Januar 2021. Die Ausbildungsvergütungen wurden zum 1. März 2019 um einheitlich 90 Euro erhöht.
• Kalenderjährlich ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für 2018 eine Kostenbelastung von 1,6 Prozent (nach 2,1 Prozent für 2017). Dieser Anstieg lag damit deutlich unter der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik (2,8 Prozent).
• Im Jahr 2019 wird sich der Anstieg der Tarifverdienste in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie wohl beschleunigen. Hier wirkt sich für den Monat März ein statistischer Überhangeffekt aus (2018 stiegen die Löhne erst zum 1. April). Er dürfte etwas unter dem gesamtwirtschaftlichen Anstieg von 3,1 Prozent liegen, den das Statistische Bundesamt jüngst prognostiziert hat.

 

Exportquote

• Im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2019 hatten die Auslandsumsätze der deutschen Papierverarbeitenden Industrie einen Anteil von 27,7 Prozent an den Gesamtumsätzen der Branche. Damit hat sich zumindest mit Blick auf diesen Zeitraum die jüngste Strukturverlagerung bei den Umsätzen – tendenziell weg vom Auslandsumsatz und wieder stärker hin zum Inlandsgeschäft – nicht weiter fortgesetzt. Von 2013 – dem Jahr mit einem Rekord bei der Exportquote in Höhe von 30,6 Prozent – bis 2018 hat die Bedeutung des Auslandsumsatzes im Umsatzgefüge der deutschen Papierverarbeitenden Industrie spürbar nachgelassen und die Exportquote war auf das Niveau des Jahres 2005 zurückgegangen.
• Im langfristigen Vergleich ist die Exportquote der Branche mit derzeit 27,7 Prozent immer noch hoch. Nachdem sie ausgehend von der Jahrtausendwende bis zur globalen Finanzmarktkrise von 20 auf 30 Prozent angestiegen war, blieb sie bis einschließlich des Jahres 2013 auf diesem hohen Niveau.
• Die aktuell wieder angestiegene Exportquote folgt aus einer gespaltenen Umsatzentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Während der Inlandsumsatz im Durchschnitt der ersten drei Quartale 2019 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent nachgab, konnte beim Auslandsgeschäft trotz der abgeschwächten Weltkonjunktur noch ein Plus in Höhe von 1,1 Prozent realisiert werden.

 

Umsatz

• Im Zeitraum Januar bis einschließlich September 2019 musste die Papierverarbeitenden Industrie einen Rückgang ihres Gesamtumsatzes gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraums in Höhe von 1,5 Prozent vermelden. Während von Januar bis Mai 2019 das Vorjahresniveau noch gut gehalten werden konnte, kam es danach zu einem ausgeprägten Rückgang. Im dritten Quartal 2019 lag der Gesamtumsatz der Branche nunmehr um 1,8 Prozent unter dem Vorjahreswert.
• Der absolute Umsatzwert belief sich in den ersten neun Monaten kumuliert auf 15,8 Milliarden Euro. Damit bestehen gute Chancen im Gesamtjahr 2019 einen Branchenumsatz von über 20 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Auch bei diesem Indikator müssen hinsichtlich eines Langfristvergleiches die mehrfachen statistischen Umgruppierungen von Unternehmen bedacht werden.
• Die Papierverarbeitende Industrie ist gegenwärtig mit einer deutlich gespaltenen Nachfragedynamik konfrontiert. Während die Inlandsumsätze im Durchschnitt der ersten neun Monate 2019 um 1,5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahrsniveau notierten, war beim Auslandsgeschäft gleichzeitig ein Plus in Höhe von 1,1 Prozent zu verzeichnen. Dabei gingen die Transaktionen mit Kunden außerhalb des Euroraums, auf die gut 8 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen, um 0,4 Prozent zurück. Die Umsätze mit dem Euroraum – mit einem Umsatzanteil in Höhe von gut 19 Prozent, stiegen dagegen um 1,7 Prozent an.

 

Monatlicher Umsatz je Beschäftigten

• Der Umsatz je Mitarbeiter hat in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie leicht nachgelassen. Im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2019 belief sich diese Leistungsgröße monatlich auf 20.501 Euro. Das Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums wurde dabei um 0,5 Prozent unterschritten. Da die Erzeugerpreise der Branche im Durchschnitt der ersten neun Monate um 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert notierten, sind die preisbereinigten Umsätze je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie noch stärker zurückgegangen. Für das dritte Quartal 2019 sieht der Vergleich etwas günstiger aus. Der nominale Vorjahreswert wurde leicht um 0,1 Prozent übertroffen. Da auch in diesem Zeitraum die Preise leicht angezogen haben – und zwar um 0,3 Prozent – dürften die realen Umsätze je Mitarbeiter ebenfalls leicht rückläufig gewesen sein.
• Der rückläufige Umsatz je Beschäftigten in den ersten neun Monaten 2019 ergibt sich daraus, dass die Umsätze mit -1,5 Prozent stärker nachgaben als die Anzahl der Beschäftigten mit -1,0 Prozent.
• Vor dem Hintergrund der Entwicklung im Zeitraum Januar bis September 2019 kann mit Blick auf das Gesamtjahr erwartet werden, dass der in den letzten beiden Jahren sichtbare Trend hin zu wieder ansteigenden nominalen Umsätzen je Mitarbeiter erst einmal unterbrochen sein dürfte.

 

Entwicklung der Produktion

• Die Papierverarbeitende Industrie konnte sich der industriellen Rezession in Deutschland nicht entziehen. Gleichwohl wurde sie bislang nicht so stark getroffen wie die Industrie insgesamt: Während die Produktion des gesamten Verarbeitenden Gewerbes in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 4 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums lag, war in der Papierverarbeitenden Industrie gleichzeitig nur ein Rückgang in Höhe von 0,8 Prozent zu verzeichnen.
• Damit dürfte sich der vor zwei Jahren eingesetzte moderate Erholungsprozess der Branche in diesem Jahr nicht mehr fortsetzen. Vielmehr ist zu erwarten, dass mit Blick auf das Gesamtjahr 2019 das Vorjahresniveau wahrscheinlich nicht erreicht wird. In den Jahren 2017 und 2018 konnte die Papierverarbeitende Industrie erstmals seit mehreren Jahren wieder positive Zuwächse bei ihrer Produktion verbuchen. Zuvor war im Zeitraum 2011 bis 2016 ein durchgehender Rückgang eingetreten. Mit Blick auf den Durchschnitt über die ersten neun Monate dieses Jahres lag die Produktion immer noch um 5,5 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2011.
• Vergleicht man die Entwicklung der nominalen Umsätze mit jener der Produktion in den ersten neun Monaten dieses Jahres, dann sind die Rückgänge bei den Umsätzen mit -1,5 Prozent höher als bei der Produktion mit 0,8 Prozent. Aufgrund der noch ansteigenden Erzeugerpreise dürften die realen Umsätze sogar stärker gesunken sein. Offensichtlich hat die Branche Teile der Produktion auf Lager gestellt, damit aber auch zu einer Stabilisierung der Beschäftigung beigetragen.

 

Preisentwicklung

• Die Erzeugerpreise der gesamten Industrie (ohne Energiegüter) lagen im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2019 noch um 0,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Im dritten Quartal 2019 war aber nur noch ein Preisanstieg in Höhe von 0,6 Prozent gegenüber Vorjahr zu verzeichnen. Die nachlassende Konjunktur und die im Zeitverlauf 2019 deutlich abgesunkene Kapazitätsauslastung hat die Phase ansteigender industrieller Erzeugerpreise beendet. Nachdem im Zeitraum 2011 bis 2016 die Preise stabil waren, stiegen sie in 2017 und 2018 an.
• Das nahezu gleiche Entwicklungsmuster war bislang in der Papierverarbeitenden Industrie zu beobachten. Nachdem deren Erzeugerpreise ebenfalls über fünf Jahre stabil waren, stiegen sie in 2017 und 2018 an. Während im Zeitraum Januar bis September die Preise der Papierverarbeitenden Industrie noch um 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert lagen, belief sich der Preisanstieg im dritten Quartal 2019 auf nur noch 0,3 Prozent. Auch hier deckelt die schwache Konjunktur die Preisspielräume.
• Im Gegensatz zur gesamten Industrie und zur Papierverarbeitenden Industrie waren in der Papiererzeugenden Industrie die Preise in 2019 schon deutlich rückläufig. In den ersten neun Monaten wurde das Vorjahresniveau um 1,5 Prozent unterboten. Insgesamt weist diese Branche aufgrund der höheren Energie- und Rohstoffintensität und der schwankenden Energie- und Rohstoffpreise deutlich höhere Preisschwankungen auf. Sowohl im Aufschwung als auch im Abschwung sind die Preisanpassungen in der Papiererzeugenden Industrie erheblich stärker ausgeprägt.

 

Entwicklung der Produktivität und Lohnstückkosten

• In den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 sind die Lohnstückkosten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent gestiegen. Auch für das Jahr 2019 deutet sich somit ein kräftiger Anstieg der Lohnstückkosten an. Damit würden sich die Lohnstückkosten das achte Jahr in Folge deutlich erhöhen. In fast allen Jahren lag die Veränderungsrate zwischen gut 2 und gut 3 Prozent. Lediglich im Jahr 2017 fiel die Anstiegsdynamik mit 1,4 Prozent gedämpfter aus.
• Die Produktivität je Beschäftigten hat sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum nur minimal erhöht (Anstieg um 0,1 Prozent). Damit hat es in der Papierverarbeitenden Industrie seit 2012 je Beschäftigten gerechnet keine nennenswerten Produktivitätsanstiege mehr gegeben. In sechs dieser acht Jahre gab es klare Rückgänge; im Jahr 2017 und im bisherigen Verlauf des Jahres 2019 stagnierte die Produktivität je Beschäftigten.
• Auf die Stunde gerechnet entwickelte sich die Produktivität wegen der im Trend leicht rückläufigen Arbeitszeit etwas besser. In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 stieg sie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent an.
• Fällt die Entwicklung der Lohnstückkosten im Gesamtjahr 2019 so aus wie in den ersten drei Quartalen, wäre das Lohnstückkostenniveau in der Papierverarbeitenden Industrie im aktuellen Jahr um mehr als 23 Prozent und damit um fast ein Viertel höher als noch im Jahr 2011.

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