Branchendaten

09.10.2018

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Berlin / Köln, September 2018

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie - Ausgabe September 2018

Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2018 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

Anzahl der Betriebe

  • Nachdem sich im Sommer 2018 die Situation in den transatlantischen Handelsbe­ziehungen entspannte, droht nun eine weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Vor diesem Hintergrund haben sich die konjunk­turellen Risiken für die globale Wirtschaft wieder verdichtet. Nach der unerwartet kräftigen Erholung im Jahr 2017 flachte der globale Handel 2018 wieder deutlich ab.
  • Auf den ersten Blick konnte sich die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2018 in diesem schwächer tendierenden internationalen Umfeld vergleichsweise gut behaupten. Die Exporte, die gesamtwirtschaftliche Leistung und auch die Industrieproduktion übertrafen deutlich den entsprechenden Vorjahreswert. Dieser gute Vorjahresvergleich überzeichnet jedoch die nachlassende Konjunkturdynamik. Deutlich sichtbar wird dies bei der Industrieproduktion, die im Verlauf des ersten Halbjahrs 2018 nur noch
  • Entsprechend wurden die Konjunkturprognosen für 2018 und 2019 inzwischen nach unten korrigiert. Das IW geht nur noch von einem Wachstum von 1,8 Prozent in diesem Jahr und 1,4 Prozent im nächsten Jahr aus. Gemäß der jüngsten Gemeinschaftsdiagnose der führenden staatlichen Wirtschaftsforschungsinstitute werden 2018 1,7 Prozent und 2019 1,9 Prozent erwartet.
  • Dieses Konjunkturbild gilt auch für die Papierverarbeitende Industrie: Die Produktion übertraf zwar im ersten Halbjahr deutlich das Vorjahresergebnis. Allerdings ist auch hier im Jahresverlauf 2018 keine durchgehende Auftriebsdynamik sichtbar.

Entwicklung der Beschäftigten

  • Im Durchschnitt der ersten sechs Monate des Jahres 2018 waren in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie insgesamt 86.167 Personen beschäftigt. Beim Vergleich mit den Vorjahresergebnissen sind jedoch deutliche Einschränkungen zu beachten, da in den vergangenen Jahren aus statistischen Gründen mehrere Schwerpunktverlagerungen von Betrieben stattfanden (siehe Vorbemerkung). Dadurch ist eine direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren und vor allem in der langen Frist nur einschränkt möglich.
  • Einschließlich dieser breiteren Branchenerfassung der Papierverarbeitung übertraf die Anzahl der Beschäftigten im ersten Halbjahr 2018 das entsprechende Vorjahresniveau um 1,6 Prozent. Das entspricht einem Plus von gut 1.300 Mitarbeitern.
  • Im Jahresverlauf 2018 war zunächst ein deutlicher Beschäftigungsaufbau in der Papierverarbeitenden Industrie zu verzeichnen. Im Zeitraum Januar bis März stieg die Anzahl der Mitarbeiter um gut 800 Personen an. Dieser Beschäftigungseffekt ist nicht von der statistischen Umstellung verzerrt. Dagegen war die Dynamik im zweiten Quartal leicht rückläufig. Seit dem Jahresbeginn fand gleichwohl ein Zuwachs an Mitarbeitern in einer Größenordnung von insgesamt gut 600 Personen statt.

Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

  • Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im Jahresdurchschnitt 2017 auf 3.390 Euro. Das entsprach einem Anstieg von knapp 2,4 Prozent. In diesem Gesamtjahreswert sind alle Sonderzahlungen – wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld – enthalten.
  • Im ersten Halbjahr 2018 lagen die Pro-Kopf-Bruttolöhne bei 3.360 Euro. Im ersten Halbjahr des Vorjahres lag der Bruttomonatslohn noch bei 3.309 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,54 Prozent. Ein Vergleich des Halbjahreswertes 2018 mit dem Durchschnittswert für das Gesamtjahr 2017 ist nicht zielführend, da Jahressonderzahlungen erst im dritten und vierten Quartal anfallen. Dadurch wird der Jahresdurchschnitt angehoben.
  • Der Anstieg der Realeinkommen wurde bereits im Jahr 2017 gebremst, weil die allgemeine Teuerung anzog. Sie belief sich 2017 auf 1,8 Prozent und im ersten Halbjahr 2018 auf 1,75 Prozent.

Tariflohnentwicklung

  • Der letzte Tarifabschluss liegt nun eineinhalb Jahre zurück. Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten bis zum 31. Oktober 2018. Der Abschluss sah für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgte eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für das Kalenderjahr 2017 eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent (nach 2,0 Prozent für 2016). Dieser Anstieg entsprach der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik.
  • Im ersten Halbjahr 2018 stiegen die Tarifverdienste im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um 1,05 Prozent. Der Anstieg war geringer, weil die erste Stufe des letzten Abschlusses zum 1. Januar 2017 wirksam wurde, die zweite Stufe (2,1 Prozent) aber erst ab dem 1. April 2018. Nach derzeitigem Stand werden die Tarifverdienste im Gesamtjahr 2018 um mindestens 1,6 Prozent steigen.

Exportquote

  • Die Bedeutung der Auslandsmärkte für das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat in den letzten Jahren nicht weiter zugenommen. Die Export- und Importquoten verharren mehr oder weniger auf dem nach der globalen Finanzmarktkrise erreichten Niveau. In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie hat die Exportquote in den letzten Jahren sogar abgenommen. Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2018 belief sich der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz auf gut 27 Prozent. Das entspricht im langjährigen Vergleich der Umsatzstruktur während des weltweiten Wirtschaftsbooms vor der in den USA ausgelösten Finanzmarktkrise.
  • Eine langfristige Betrachtung zeigt den starken Bedeutungsgewinn der Auslandsmärkte für die deutsche Papierverarbeitende Industrie nach der Jahrtausendwende. Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz nahm von weniger als 20 Prozent im Jahr 2000 durchgehend auf knapp 30 Prozent im Jahr 2007 zu. Danach stabilisierte sich die Exportquote auf diesem hohen Niveau und erreichte im Jahr 2013 mit 30,6 Prozent ihren bisherigen Höchstwert.
  • Die leicht rückläufige Exportquote im ersten Halbjahr 2018 folgt aus der stärkeren Dynamik der Inlandsumsätze. Diese übertrafen das Vorjahresergebnis um 5,2 Prozent. Dagegen legten die Auslandsumsätze nur um 3,8 Prozent zu. Wegen der Statistikumstellung ist der Vorjahresvergleich eingeschränkt. Die unterschiedliche Dynamik von Inlands- und Auslandsmarkt dürfte gleichwohl zutreffend angezeigt werden.

Umsatz

  • Der Gesamtumsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie lag im ersten Halbjahr 2018 auf dem hohen Wert von 10,7 Milliarden Euro. Ein direkter Vergleich mit den Vorjahreswerten ist nur eingeschränkt möglich, da es nach den beiden statistischen Umstellungen von 2015 und 2017 zum Jahresstart 2018 eine weitere Schwerpunktverlagerung von Betrieben gab. Während bei den ersten beiden Revisionen der Umsatz höher ausfiel, führte die aktuelle Änderung zu einer Umsatzminderung. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkung wurde in den ersten sechs Monaten dieses Jahres das Vorjahresniveau um 4,8 Prozent übertroffen.
  • Dabei hat sich die Geschäftigkeit weiter leicht zu den Inlandsumsätzen verschoben. Diese übertrafen im ersten Halbjahr 2018 den entsprechenden Vorjahreswert um 5,2 Prozent. Die Auslandsumsätze legten gleichzeitig um 3,8 Prozent zu. Dabei gaben wie zuletzt zu beobachten, die Geschäfte mit den Kunden aus dem Euroraum den Ton an. In den ersten sechs Monaten gab es hier ein Plus von 5,4 Prozent. Das ist sogar leicht höher als beim Inlandsumsatz. Die Verkäufe an Kunden von außerhalb der Eurozone traten dagegen mehr oder weniger auf der Stelle. Damit spiegelt sich auch in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie die weltwirtschaftliche Lage und Dynamik wider: Der anhaltenden und moderaten Erholung im Euroraum steht die von politischen Verunsicherungen geprägte Entwicklung in den aufstrebenden Volkswirtschaften gegenüber, die nicht zuletzt auch durch die protektionistischen Handlungen der USA beeinträchtigt werden.

  • Im ersten Halbjahr 2018 belief sich der Umsatz je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf knapp 20.600 Euro.
  • Unter der Annahme, dass es infolge der Statistikumstellungen zu einer mehr oder weniger gleichmäßigen Revision der Anzahl der Mitarbeiter und des Umsatzvolumens kam, ist ein Vergleich mit den vorhergehenden Jahreswerten aussagekräftig. Dementsprechend wurde in den ersten sechs Monaten dieses Jahres der entsprechende Vorjahreswert um 3,2 Prozent übertroffen. Dabei handelt es sich um den nominalen Anstieg. Unter Berücksichtigung der gleichzeitig ansteigenden Preise ergibt sich jedoch keine Verbesserung beim realen Umsatz je Beschäftigten.
  • Auf Basis der nominalen Werte dürfte sich gleichwohl die Trendwende, die im Jahr 2016 eingesetzt hat, weiter fortsetzen. Dies ist insofern erfreulich und wichtig, weil im Zeitraum 2011 bis 2015 ein durchgehender Rückgang der Umsatzwerte je Mitarbeiter stattgefunden hatte. Das nominale Umsatzvolumen je Mitarbeiter lag im Jahr 2017 erstmals seit dem Jahr 2012 wieder über der Marke von monatlich 20.000 Euro. Diese Erholung wird in hohem Maß durch die wieder überdurchschnittlich gute Entwicklung beim Inlandsgeschäft bestimmt. Zuletzt hat dazu auch der sich wieder erholende Handel mit den europäischen Nachbarn beigetragen.

Entwicklung der Produktion

  • Nicht nur auf Basis der nominalen Umsätze, sondern auch anhand der Produktionsentwicklung zeichnet sich die konjunkturelle Trendwende in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie ab. Zumindest auf Basis des ersten Halbjahres 2018 ergibt sich eine weitere Verbesserung. Im Durchschnitt der ersten sechs Monaten des Jahres 2018 war ein Produktionsplus gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert in Höhe von 2,2 Prozent zu verzeichnen. Da der Produktionsindex auf Basis fachlicher Betriebsteile und nicht auf Betriebsbasis berechnet wird, ist dieser Vergleich mit den vorhergehenden Jahren nicht durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben verzerrt.
  • Gleichwohl war der Jahresverlauf 2018 von deutlichen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen geprägt, die keine klare Entwicklungsrichtung in der Branche erkennen lassen. Der gute Vorjahresvergleich überzeichnet den konjunkturellen Eindruck.
  • Nichtsdestotrotz scheint der über viele Jahre anhaltende Produktionsrückgang in der Papierverarbeitenden Industrie überwunden zu sein. Zur Erinnerung: Im Zeitraum 2011 bis 2016 war die Produktion von Jahr zu Jahr durchgängig rückläufig. Beim Tiefpunkt im Jahr 2016 lag die Produktion um 7,2 Prozent unter dem Niveau des Rekordjahres 2011. Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2018 wurde dieses hohe Produktionsniveau noch immer um mehr als 4 Prozent unterschritten.

Preisentwicklung

  • Die Trendwende bei den Produktionspreisen in Deutschland setzt sich offensichtlich weiter fort. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe (ohne Energieproduktion) lagen die Erzeugerpreise im ersten Halbjahr 2018 um 1,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Schon im Jahr 2017 gab es einen Preisanstieg in Höhe von 2,4 Prozent. Damit wurde die lange Phase – von 2011 bis 2016 – mehr oder weniger stabiler Erzeugerpreise in Deutschland beendet. Eine Erklärung dafür liegt in den ansteigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Darüber hinaus schlägt sich auch die relativ hohe Kapazitätsauslastung in höheren Kosten und Preisen nieder.
  • Auch die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres aufgrund der genannten Gründe kräftig an. Das entsprechende Vorjahresniveau wurde um 3,2 Prozent übertroffen. Wie auch im gesamtindustriellen Durchschnitt durchlebte die Branche über eine lange Zeit stagnierende Preise. Im ersten Halbjahr 2018 wurde das Preisniveau des Jahres 2011 gerade einmal um 3,5 Prozent übertroffen.
  • Kräftige Preiskorrekturen gab es dagegen in der Papiererzeugenden Industrie. Die Erzeugerpreise übertrafen dort im ersten Halbjahr 2018 den Vorjahreswert um 6,4 Prozent.

Entwicklung der Produktivität und Lohnstückkosten

  • Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend steigender Lohnstückkosten bisher fort. Im ersten Halbjahr 2018 sind die Lohnstückkosten im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent gestiegen. Damit entsprach die Steigerungsrate der des ersten Quartals 2018 und war in etwa so hoch wie im Jahresdurchschnitt 2017. Noch wesentlich stärker war die Lohnstückkostendynamik in den Jahren 2012 bis 2016 ­– damals erhöhten sich die Lohnstückkosten jährlich um rund 3 Prozent.
  • Die Produktivität stieg im ersten Halbjahr 2018 sehr verhalten an. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum betrug der Zuwachs – je Beschäftigten gerechnet – nur 0,4 Prozent. Dies markiert dennoch eine leichte Verbesserung gegenüber früheren Jahren: Im Jahr 2017 stagnierte die Produktivität (Zuwachs 0,1 Prozent) und zwischen 2012 und 2016 war die Produktivität je Beschäftigten sogar fünfmal in Folge gesunken.
  • Etwas besser hat sich zuletzt die Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde entwickelt. Sie legte im ersten Halbjahr 2018 gegenüber den entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent zu. Im Jahr 2017 hatte der Produktivitätsanstieg auf die geleistete Arbeitsstunde gerechnet 0,7 Prozent betragen. Zwischen 2012 und 2016 war die Stundenproduktivität allerdings viermal gesunken, nur 2015 wurde ein leichtes Plus (0,3 Prozent) erzielt.

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