Branchendaten

09.10.2017

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Köln Berlin / Köln, September 2017

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie Ausgabe September 2017

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2017 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.
• Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Halbjahr 2017 die Erwartungen deutlich übertroffen. Die weltweiten politischen Verunsicherungen haben offensichtlich zu keiner konjunkturellen Verlangsamung geführt. Vielmehr legten die realen Exporte um 3,9 Prozent zu. Da aber die Importe um 4,6 Prozent ansteigen, brachte der Außenhandel keine Wachstumsimpulse. Diese kamen wie zuvor aus dem Inland. Der Konsum legte im ersten Halbjahr 2017 um 1,7 Prozent zu. Die Investitionen stiegen sogar um 3,2 Prozent. Damit lag die reale Wirtschaftsleistung in den ersten sechs Monaten 2017 um insgesamt 2 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Diese gute konjunkturelle Entwicklung zeigte sich auch am Arbeitsmarkt. Die Anzahl der Erwerbstätigen lag im ersten Halbjahr 2017 um 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert.
• Dieses gute makroökonomische Umfeld zeigt sich zum Teil auch in den in diesem Bericht betrachteten Indikatoren für die deutsche Papierverarbeitende Industrie. So ist die Anzahl der dort registrierten Betriebe im Jahresverlauf 2017 angestiegen. Im zweiten Quartal 2017 wurden in der Branche 492 Betriebe gezählt, fünf Firmen mehr als im ersten Quartal 2017. Dabei werden allerdings nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigen erfasst.
• Ein Vergleich mit den Vorjahren ist nur eingeschränkt möglich, weil es zum Jahresbeginn 2017 in der Statistik eine Schwerpunktverlagerung von Betrieben gab (siehe Vorbemerkung) und die amtliche Statistik den Effekt der Schwerpunktverlagerung auf die Anzahl der Betriebe nicht ausweist.

• Im ersten Halbjahr 2017 waren in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Durchschnitt 85.146 Personen beschäftigt. Im Jahresverlauf 2017 ist die Anzahl der Beschäftigten angestiegen. Damit reflektiert sich der gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsaufbau auch in dieser Branche.
• Ein Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ist wegen einer Schwerpunktverlagerung von Betrieben zum Jahresbeginn 2017 nur eingeschränkt möglich. Auch der langfristige Vergleich der Beschäftigtendaten (siehe Abbildung) ist nur mit Einschränkungen möglich.
• Die Anzahl der Beschäftigten übertraf im ersten Halbjahr 2017 den entsprechenden Vorjahreswert um 3,2 Prozent oder um 2.670 Personen.

• Der Bruttolohn beziehungsweise das Bruttogehalt je Mitarbeiter belief sich in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Durchschnitt der ersten sechs Monate des Jahres 2017 auf monatlich 3.295 Euro. Bei diesem Indikator ist ein langfristiger Vergleich möglich, weil davon ausgegangen werden kann, dass infolge der statistischen Umstellung zum Jahresbeginn 2017 sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch die gesamte Einkommenssumme der Branche angepasst wurden.
• Gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 legte das Pro-Kopf-Einkommen in dieser Branche um 0,8 Prozent zu.
• Im ersten Halbjahr 2017 lag das Durchschnittseinkommen zwar unter dem Jahreswert für 2016. Dieser Vergleich ist jedoch nicht aussagekräftig, weil in die Jahreswerte eine Reihe von Sonderzahlungen (z.B. Urlaubs- und das Weihnachtsgeld) einfließen, die in der Regel erst in späteren Quartalen anfallen.
• Im Jahr 2016 verzeichneten die Mitarbeiter einen deutlichen Anstieg ihrer Realeinkommen. Preisbereinigt stiegen die Pro-Kopf-Löhne um 1,3 Prozent. Die Entwicklung für das Jahr 2017 hängt von der weiteren Einkommensentwicklung im zweiten Halbjahr 2017 – insbesondere von der Entwicklung der Sonderzahlungen – und dem Anstieg der Inflationsrate ab.

• Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten (bis zum 31. Oktober 2018). Der Abschluss sieht für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgt eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.
• In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent für 2017 (nach 2,0 Prozent für 2016, die sich aus den Berechnungen der Deutschen Bundesbank ergeben). Sie wird nach IW-Berechnungen 2018 mit rund 1,6 Prozent geringer als 2017 ausfallen, weil die Tarifentgelte erst zum 1. April 2018 ansteigen. In der kalenderjährlichen Betrachtung führen die Monate Januar bis März 2018 zu keinem Kostenanstieg. Der Anstieg in der Papier- und Pappeverarbeitung 2017 entspricht der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik (2,1 Prozent). 2018 dürfte sie darunter liegen.
• Seit dem Jahr 2010 (Basisjahr) sind die Tarifentgelte in der Papierverarbeitenden Industrie bis einschließlich 2016 um insgesamt 15,8 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jahresdurchschnittlichen Tariflohnwachstum in Höhe von 2,6 Prozent.

• Der Gesamtumsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im ersten Halbjahr 2017 auf insgesamt gut 10,1 Milliarden Euro. Dabei muss beachtet werden, dass das Umsatzniveau der Branche infolge der Schwerpunktverlagerungen zum Jahresbeginn 2017 deutlich höher ausfällt.
• Der Umsatz der Papierverarbeitenden Industrie lag in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 um 4,3 Prozent über dem Volumen des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Wird der Statistikeffekt von rund 4 Prozent berücksichtigt, dann wurde somit nur ein moderater Umsatzanstieg realisiert.
• Mit Blick auf den Jahresverlauf 2017 zeigte sich, dass das Expansionstempo in der Papierverarbeitenden Industrie nachgelassen hat. Im zweiten Quartal 2017 fielen die Umsätze der Branche niedriger aus als in den ersten drei Monaten.
• Allerdings hat sich der Aufwärtstrend im ersten Halbjahr 2017 fortgesetzt. Dies ist bemerkenswert, weil im Jahr 2016 erstmals seit 2011 wieder ein Umsatzzuwachs in der Papierverarbeitenden Industrie erzielt werden konnte. Dabei gilt gleichwohl zu bedenken, dass ein langfristiger Umsatzvergleich wegen verschiedener statistischer Umstellungen nur eingeschränkt erlaubt ist.

• Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz belief sich in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im ersten Halbjahr 2017 auf 27,3 Prozent. Das entspricht der niedrigsten Exportquote seit dem Jahr 2005. Zum Vergleich: Im Zeitraum 2007 bis 2013 hatte die Papierverarbeitende Industrie eine Exportquote von rund 30 Prozent. Dem war ein anhaltender Bedeutungsgewinn der Auslandsumsätze von knapp 20 Prozent zur Jahrtausendwende auf knapp 30 Prozent vorausgegangen. Bei der Bewertung der Entwicklung der Exportquote ist allerdings die erläuterte Schwerpunktverlagerung zu berücksichtigen.
• Bereits seit dem Jahr 2013 wandelt sich die Umsatzstruktur der deutschen Papierverarbeitenden Industrie: Die Inlandsumsätze stiegen in den letzten Jahren stärker als die Auslandsumsätze.
• Bei den Auslandsumsätzen verbuchten vor allem die Umsätze mit Kunden außerhalb des Euroraums einen nennenswerten Rückgang. Dagegen stiegen die Geschäfte mit dem Euroraum an.
• Die Erholung im Geschäft mit dem Euroraum zeigt sich auch im Jahresverlauf 2017: im zweiten Quartal 2017 konnte hier ein Zuwachs gegenüber dem ersten Quartal verzeichnet werden. Dagegen gaben im Jahresverlauf 2017 die Inlandsumsätze und vor allem die Umsätze mit Kunden von außerhalb des Euroraums teils kräftig nach.

• Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2017 belief sich der monatliche Umsatz je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie auf 19.852 Euro.
• Unter der Annahme, dass bei der Statistikumstellung vom Jahresanfang 2017 die Anzahl der Mitarbeiter und das Umsatzvolumen der Papierverarbeitenden Industrie gleichermaßen revidiert wurden, sollte ein Vergleich mit den vorhergehenden Jahren mehr oder weniger möglich und aussagekräftig sein.
• Auf Basis dieser Werte konnte der Umsatz je Mitarbeiter in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent gesteigert werden. Damit setzt sich auch bei dieser Leistungskennziffer die Erholungstendenz aus dem Vorjahr fort. Im Jahr 2016 konnte erstmals seit dem Jahr 2011 wieder ein Anstieg des Umsatzes je Mitarbeiter erzielt werden. Das aktuelle Umsatzniveau liegt allerdings noch deutlich unterhalb der Höchstwerte der Jahre 2011 und 2012, als sich die monatlichen Umsätze je Mitarbeiter auf über 20.000 Euro beliefen.
• Bei der Bewertung der Gesamtentwicklung im ersten Halbjahr 2017 ist zu beachten, dass sich die Umsatzdynamik im Jahresverlauf 2017 abgeschwächt hat. Im zweiten Quartal 2017 unterschritt der Umsatz je Beschäftigten den Wert vom ersten Quartal 2017 um 0,6 Prozent.

• Der seit dem Jahr 2011 anhaltende Produktionsrückgang in der Papierverarbeitenden Industrie wurde im ersten Halbjahr 2017 gestoppt. Jedenfalls setzte sich der über mehrere Jahre zu beobachtende Rückgang nicht weiter fort. Allerdings konnte die Produktion im zweiten Quartal 2017 das Niveau vom ersten Quartal nicht halten.
• Die Produktion der Branche konnte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres den entsprechenden Vorjahreswert um insgesamt 0,3 Prozent übertreffen. Da der Produktionsindex nicht auf Basis der Betriebe, sondern auf der Grundlage der fachlichen Betriebsteile berechnet wird, ist der Vergleich der Produktionswerte mit den vorhergehenden Jahren nicht durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben verzerrt.
• Die leichte Erholung im ersten Halbjahr 2017 deckt sich mehr oder weniger mit der entsprechenden Umsatzentwicklung. Dies gilt auch für die Abschwächung im Jahresverlauf 2017. Bei der Umsatzentwicklung muss zudem noch beachtet werden, dass die leicht nachlassende Preisentwicklung in der Branche den Anstieg der nominalen Umsätze abgebremst hat.
• Wie beim Umsatz liegt die aktuelle Produktion immer noch deutlich unter dem Höchstwert des Jahres 2011. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 betrug die Differenz 6,6 Prozent.

• Die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie stagnieren seit dem Jahr 2011. Damit kann die Branche ansteigende Kosten nicht auf die Kunden überwälzen. Im vergangenen Jahr stiegen die Erzeugerpreise erstmals seit dem Jahr 2011 wieder, und zwar um 0,7 Prozent. Dieser Trend hat sich aber nicht fortgesetzt. Im ersten Halbjahr 2017 gaben die Erzeugerpreise gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,2 Prozent nach.
• Die stagnierende Preisentwicklung dämpft natürlich auch die Umsatzentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie.
• Diese hohe Preisstabilität gilt auch für das gesamte verarbeitende Gewerbe (ohne Energieproduktion) in Deutschland. Die Preisentwicklung der Papierverarbeitenden Industrie deckt sich demnach weitgehend mit der in der Gesamtindustrie. Eine Ausnahme stellt das erste Halbjahr 2017 dar. In diesem Zeitraum stiegen die industriellen Erzeugerpreise mit 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr kräftig an, während die Erzeugerpreise in der Papiererzeugenden Industrie in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 rückläufig waren. Sie lagen um 0,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

• Im ersten Halbjahr 2017 sind die Lohnstückkosten weiter gestiegen. Sie erhöhten sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um 2 Prozent. Damit war die Dynamik schwächer als in den vergangenen fünf Jahren: Von 2013 bis 2016 stiegen die Lohnstückkosten gegenüber dem Vorjahr jeweils um mehr als 3 Prozent. Lediglich im Jahr 2015 legten die Lohnstückkosten im Vorjahresvergleich mit 2,4 Prozent etwas schwächer zu.
• Die beiden Quartale des ersten Halbjahrs zeigten indes eine völlig unterschiedliche Entwicklung. Waren im ersten Quartal 2017 die Lohnstückkosten noch um 4 Prozent höher als im ersten Quartal 2016, lagen die Lohnstückkosten im zweiten Quartal 2017 sogar etwas niedriger als im zweiten Quartal 2016. Dies markiert jedoch nicht zwangsläufig eine Trendwende, sondern könnte sich auch aus der kalenderbedingten Verschiebung von Feiertagen ergeben haben.
• Weiter gesunken ist die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten. Sie war im ersten Halbjahr 2017 um 1,1 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2016. Damit setzte sich der Trend sinkender Produktivität fort: Sie ist bereits seit 2012 rückläufig. Auf die Stunde gerechnet stieg die Produktivität im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 marginal an und zwar um 0,2 Prozent.

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