Branchendaten

20.12.2018

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Berlin / Köln, Dezember 2018

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie - Ausgabe Dezember 2018

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2018 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

Anzahl der Betriebe

  • Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2018 geschrumpft. Grund dafür waren Produktionsrückgänge im Automobilsektor infolge von Zulassungsstockungen. Die Situation normalisiert sich wieder und dies wird zu Nachholeffekten führen. Das Wirtschaftswachstum wird sich in Deutschland in 2018 allerdings nur noch auf 1,5 Prozent belaufen. Diese Verlangsamung liegt auch an der nachlassenden Dynamik der Weltwirtschaft. Der Protektionismus von Seiten der USA, die schwächere Gangart der Schwellenländer, die Ungewissheiten infolge des anstehenden Brexit und der italienischen Regierungsführung belasten die Erwartungshaltung der Unternehmen. Deutlich sichtbar wird die gegenwärtige konjunkturelle Entschleunigung an der schwachen Exporttätigkeit und den damit einhergehenden Bremseffekten in der Industrie. Der Konsum ist dagegen robust und er profitiert in hohem Maß von der anhaltend guten Arbeitsmarktentwicklung. Eine Stagnation droht der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr voraussichtlich nicht, aber das Wachstum fällt mit nur noch 1,2 Prozent sehr verhalten aus.
  • Auch in der Papierverarbeitenden Industrie hat der Schwung im Jahresverlauf 2018 nachgelassen. Während die Produktion in den ersten neun Monaten den Vorjahreswert noch um 1,3 Prozent übertraf, gab es im dritten Quartal 2018 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal nur noch eine Stagnation.

Entwicklung der Beschäftigten

  • In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie waren im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2018 insgesamt 86.487 Personen beschäftigt. Gemessen an den Jahresdurchschnitten markiert dies den höchsten Beschäftigungsstand in der Branche seit dem Jahr 2005. Ein ähnlich hohes Beschäftigungsniveau wurde zuletzt im Jahr 2008, also unmittelbar vor der großen Rezession infolge der globalen Finanzmarktkrise verzeichnet.
  • Allerdings sind bei einem Vergleich mit den Vorjahresergebnissen die Schwerpunktverlagerungen von Betrieben zu bedenken (siehe Vorspann). Diese statistischen Umstellungen schränken die direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren und vor allem in der langen Frist deutlich ein.
  • Unter Berücksichtigung der nunmehr breiteren statistischen Branchenerfassung der Papierverarbeitung wurde die Anzahl der Beschäftigten in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 1.200 Mitarbeiter beziehungsweise um 1,4 Prozent gesteigert.
  • Die gute Arbeitsmarktentwicklung zeigt sich in der Branche insgesamt über den Jahresverlauf 2018. Im dritten Quartal 2018 lag die Beschäftigung mit 87.127 Personen um knapp 1.100 Mitarbeitern über dem Niveau des ersten Quartals 2018. Dieser Beschäftigungsaufbau ist nicht von der statistischen Umstellung beeinflusst.

Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

  • Der monatliche Bruttolohn beziehungsweise das monatliche Bruttogehalt je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im Jahresdurchschnitt 2017 auf 3.390 Euro. Das entsprach einem Anstieg von knapp 2,4 Prozent. In diesem Gesamtjahreswert sind alle Sonderzahlungen – wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld – enthalten.
  • In den drei ersten Quartalen 2018 lagen die Pro-Kopf-Bruttolöhne bei 3.320 Euro. Im gleichen Vorjahreszeitraum lag der Bruttomonatslohn noch bei 3.270 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,53 Prozent. Da die Jahressonderzahlungen erst im dritten und vierten Quartal anfallen, wird der Jahresdurchschnitt noch deutlich angehoben.
  • Der Anstieg der Realeinkommen wurde bereits im Jahr 2017 gebremst, weil die allgemeine Teuerung anzog. Sie belief sich 2017 auf 1,8 Prozent und bis zum Ende des dritten Quartals 2018 auf 1,9 Prozent.

Tariflohnentwicklung

  • Der letzte Tarifabschluss liegt nun fast zwei Jahre zurück. Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit (rückwirkend ab November 2016) von 24 Monaten bis zum 31. Oktober 2018. Der Abschluss sah für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgte eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank für das Kalenderjahr 2017 eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent (nach 2,0 Prozent für 2016). Dieser Anstieg entsprach der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik.
  • Im Jahr 2018 werden die Tarifverdienste nach vorläufigen, aufs Kalenderjahr bezogenen, Berechnungen spürbar steigen.

Exportquote

  • Die deutsche Wirtschaft legte in den vergangenen Jahren in erster Linie aufgrund ihrer robusten Binnenkonjunktur zu. Vor allem die privaten Konsumausgaben haben für kräftige Wachstumsimpulse gesorgt. Dagegen war wenig Dynamik beim Auslandsgeschäft zu verzeichnen. Die gesamtwirtschaftlichen Export- und Importquoten sind auf einem hohen Niveau, allerdings ohne große Veränderungen in den vergangenen Jahren.
  • Dagegen war die Exportquote der deutschen Papierverarbeitenden Industrie in den letzten Jahren rückläufig. Im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2018 hatten die Auslandsumsätze einen Anteil am Gesamtumsatz von knapp 27 Prozent. Das entspricht im langjährigen Vergleich der Umsatzstruktur des Jahres 2005 und somit während des Anfangsstadiums des globalen Wirtschaftsbooms, der dann in den Jahren 2008/2009 von der Finanzmarktkrise abgewürgt wurde.
  • Damit setzt sich offensichtlich auch in diesem Jahr der leichte Bedeutungsverlust der Auslandsmärkte fort, was seit dem Jahr 2013 zu beobachten ist. In 2013 erreichte die Exportquote der Papierverarbeitenden Industrie mit 30,6 Prozent ihren Höhepunkt – zuvor war sie lange Zeit stabil bei rund 30 Prozent. In den letzten Jahren legen die Inlandsumsätze der Branche spürbar stärker zu als die Auslandsgeschäfte. In den ersten neun Monaten 2018 war beim Inlandsumsatz ein Plus von 4,3 Prozent und beim Auslandsumsatz ein Zuwachs in Höhe von 2,8 Prozent zu verbuchen.

Umsatz

  • Auf Basis der Werte für die ersten neun Monate stehen die Chancen gut, dass der Gesamtumsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Gesamtjahr 2018 die Schwelle von 20 Milliarden Euro übertreffen kann. In den ersten neun Monaten wurde ein Umsatzwert von 16 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dieser liegt um 600 Millionen Euro oder um 3,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Aber auch hier gilt es zu bedenken, dass dieser direkte Vergleich mit den Vorjahreswerten nur eingeschränkt möglich ist, da es nach den statistischen Umstellungen von 2015 und 2017 auch zum Jahresstart 2018 eine weitere Schwerpunktverlagerung von Betrieben gab. Während bei den ersten beiden Revisionen der Umsatz höher ausfiel, führte die aktuelle Änderung zu einer Umsatzminderung.
  • Wie in den Vorjahren laufen die Geschäfte mit Kunden aus dem Inland besser als der Auslandsumsatz. Während die Inlandsumsätze in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 das entsprechende Vorjahresniveau um 4,3 Prozent übertrafen, gab es beim Auslandsgeschäft der Papierverarbeitenden Industrie ein Plus von 2,8 Prozent. Damit zeichnet sich in dieser Branche auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einer überdurchschnittlichen Binnenkonjunktur ab. Während die Umsätze mit Kunden aus dem Euroraum in den ersten neun Monaten den Vorjahreswert um 3,8 Prozent übertreffen konnten, war beim Auslandsgeschäft außerhalb des Euroraums nur ein Plus von 0,8 Prozent zu verzeichnen. Dies spiegelt die aktuelle Konstellation der Weltkonjunktur wider.

  • Die vergleichsweise gute Umsatzentwicklung wirkt sich auf den Umsatz je Mitarbeiter aus, wobei vor allem auch die sehr gute Beschäftigungsentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie zu beachten ist. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 erreichte der Umsatz je Mitarbeiter in der Branche ein Niveau von knapp 20.600 Euro pro Monat. Dazu hat vor allem das gute Inlandsgeschäft maßgeblich beigetragen. Deutliche Impulse kamen auch aus der Eurozone.
  • Wird davon ausgegangen, dass es infolge der Statistikumstellungen zu einer mehr oder weniger gleichmäßigen Revision der Anzahl der Mitarbeiter und des Umsatzvolumens kam, dann ist ein Vergleich mit den vorhergehenden Jahreswerten aussagekräftig. Es zeigt sich, dass der Umsatz je Mitarbeiter nicht weit von dem im Jahr 2011 erreichten Rekordwert von monatlich 20.743 Euro liegt. Die Erholung, die seit dem Jahr 2015 zu beobachten ist, hat sich in 2018 fortgesetzt.
  • Das zeigt sich auch beim Vorjahresvergleich. In den ersten neun Monaten 2018 wurde das entsprechende Niveau beim Umsatz je Mitarbeiter um 2,5 Prozent übertroffen. Die Zuwächse fallen im Zeitverlauf jedoch geringer aus – im dritten Quartal 2018 konnte im Vorjahresvergleich nur noch ein Plus von 1,1 Prozent erzielt werden. Nimmt man die gleichzeitig ebenfalls anziehenden Preise mit in den Blick, dann ergibt sich jedoch beim realen Umsatz je Beschäftigten keine Verbesserung.

Entwicklung der Produktion

  • Die vergleichsweise freundliche Umsatzentwicklung der deutschen Papierverarbeitenden Industrie zeichnet sich auch in ihrer Produktionsentwicklung ab. Auf Basis der Werte für die ersten neun Monate konnte im Jahr 2018 ein weiterer Produktionsanstieg verzeichnet werden. Damit hat sich die Trendwende, die in der Branche im vergangenen Jahr einsetzte, verstärkt. Die Papierverarbeitende Industrie war nach dem Höhepunkt im Jahr 2011 über mehrere Jahre mit einem permanenten Produktionsrückgang konfrontiert. Auch derzeit wird dieser Rekordwert noch um 4,8 Prozent unterschritten.
  • In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 übertraf die Produktion der deutschen Papierverarbeitenden Industrie den entsprechenden Vorjahreswert um 1,3 Prozent. Da der Produktionsindex auf Basis fachlicher Betriebsteile und nicht auf Betriebsbasis berechnet wird, ist dieser Vergleich mit den vorhergehenden Jahren nicht durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben verzerrt.
  • Diese vergleichsweise gute Vorjahresbilanz gilt jedoch nicht mehr für das dritte Quartal 2018. Im Zeitraum Juli bis September 2018 lag das Produktionsniveau nur noch auf dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums. Eine deutliche Entwicklungsrichtung war bei der Produktion der Branche im Jahresverlauf 2018 nicht zu erkennen. Der gute Vorjahresvergleich für die ersten neun Monate überzeichnet offensichtlich die konjunkturelle Dynamik in der Papierverarbeitenden Industrie.

Preisentwicklung

  • Nach einer langen Zeit stagnierender Preise, kam es zuletzt zu einer merklichen Aufwärtsbewegung. Mit Blick auf das gesamte Verarbeitende Gewerbe (ohne Energieproduktion) stiegen die Erzeugerpreise in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 um 1,8 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum an. Bereits 2017 gab es einen Preisanstieg in Höhe von 2,8 Prozent. Die lange Phase (2011 bis 2016) mehr oder weniger stabiler Erzeugerpreise scheint damit gestoppt zu sein. Für die aktuelle Trendwende kommen zum einen die zwischenzeitlich deutlich angestiegenen Energie- und Rohstoffpreise in Betracht. Außerdem dürfte sich auch die hohe Kapazitätsauslastung in der deutschen Industrie bei den Preisen bemerkbar machen.
  • Die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie legten in den ersten neun Monaten ebenfalls zu. Das entsprechende Vorjahresniveau wurde um 3,2 Prozent überschritten. Im Vergleich zur Gesamtindustrie war allerdings im Jahr 2017 mit einem Plus von 0,4 Prozent kaum Auftrieb. Langfristig sind die Preistrends der Papierverarbeitenden Industrie mehr oder weniger identisch mit dem Industriedurchschnitt.
  • Dagegen waren in 2018 deutlich ausgeprägte Preiskorrekturen in der Papiererzeugenden Industrie zu verzeichnen. Die Erzeugerpreise übertrafen dort im Durchschnitt der ersten drei Quartale den Vorjahreswert um 7,3 Prozent. In dieser Branche sind im Vergleich zur Papierverarbeitenden Industrie und zur Gesamtindustrie erheblich stärkere Preisschwankungen – vor allem wegen der Rohstoffpreise – zu beobachten.

Entwicklung der Produktivität und Lohnstückkosten

  • Auch im Jahr 2018 steigen die Lohnstückkosten weiter an. In den ersten neun Monaten des Jahres sind sie im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent gestiegen. Damit hat sich die Steigerungsrate im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 wieder beschleunigt und ist auch höher als im Jahresdurchschnitt 2017. In den Jahren 2012 bis 2016 war die Lohnstückkostendynamik allerdings noch wesentlich höher. Damals stiegen die Lohnstückkosten jährlich um rund 3 Prozent.
  • Bei der Produktivität, die 2016 und 2017 marginal gestiegen war, gab es wieder einen Rückgang. Sie war in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 je Beschäftigten gerechnet im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 um 0,6 Prozent gesunken. Nach der Stagnation der Produktivität im Jahr 2017 setzt sich damit die rückläufige Tendenz der Jahre 2012 bis 2016 offenbar fort.
  • Je Stunde gerechnet ergibt sich für den Zeitraum von Januar bis September 2018 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum ein marginaler Zuwachs von 0,1 Prozent. Im Jahr 2017 war die Produktivität je Stunde noch um 0,7 Prozent angestiegen. Zwischen 2012 und 2016 war allerdings viermal ein Rückgang der Stundenproduktivität zu verzeichnen. Nur 2015 machte in dieser Periode eine Ausnahme: Damals wurde ein leichtes Produktivitätsplus von 0,3 Prozent erzielt.

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