Branchendaten

25.01.2018

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V. - Institut der deutschen Wirtschaft Berlin / Köln, Dezember 2017

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie - Ausgabe Dezember 2017

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Vorbemerkung:

Aufgrund von Schwerpunktverlagerungen wurden ab Januar 2017 erneut Betriebe innerhalb der Wirtschaftszweige (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) neu zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen gewisse Veränderungen, die einen durchgehenden Zeitvergleich einschränken. Dies gilt vor allem für den intertemporalen Vergleich der Beschäftigung und des Umsatzes.

Anzahl der Betriebe

  • Die deutsche Konjunktur läuft deutlich besser als in den ersten Monaten dieses Jahres zu erwarten war. Im Jahresverlauf 2017 haben sich einige Befürchtungen – vor allem eine Abschwächung der Weltwirtschaft infolge zunehmender Protektionismen – nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, die Weltwirtschaft hat trotz weiter bestehender politischer Risiken an Fahrt aufgenommen. Damit hat auch die konjunkturelle Dynamik in Deutschland wieder an Breite gewonnen. Die anziehende Weltkonjunktur belebt die deutschen Exporte. Neben dem kräftigen Konsumwachstum treiben auch die Anlageinvestitionen die Konjunktur an. Die gesamtwirtschaftliche Leistung übertraf in den ersten neun Monaten dieses Jahres den Vorjahreswert um 2,2 Prozent.
  • Die zunächst unerwartet gute Entwicklung der Weltwirtschaft und vor allem das Überspringen auf die deutsche Export- und Investitionstätigkeit hat auch die Geschäftstätigkeit der Industrie deutlich belebt. Die Industrieproduktion lag in den ersten drei Quartalen 2017 um 2,5 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der vorhergehenden drei Jahre stieg die Industrieproduktion nur um 1 Prozent pro Jahr an.
  • Die deutsche Papierverarbeitende Industrie hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei der Produktion ebenfalls das Vorjahresergebnis übertroffen, und zwar um 0,9 Prozent. In den vorhergehenden Jahren war aber im Gegensatz zur gesamten Industrie ein durchgehender Produktionsrückgang zu verzeichnen.

Entwicklung der Beschäftigten

  • Im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2017 waren in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie 85.478 Personen beschäftigt. Ignoriert man den eingeschränkten statistischen Vergleich, dann übertraf die Anzahl der Beschäftigten in diesem Zeitraum den entsprechenden Vorjahreswert um 2.784 Personen beziehungsweise um 3,4 Prozent.
  • Dabei ist die Anzahl der Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Jahresverlauf 2017 angestiegen. Im Durchschnitt des dritten Quartals waren in der Branche 86.142 Personen beschäftigt. Das sind 1.580 Personen oder 1,9 Prozent mehr als im Durchschnitt des ersten Quartals 2017. Dabei werden nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten erfasst.
  • Ein Vergleich der Quartalswerte für das Jahr 2017 mit den Vorjahren ist nur eingeschränkt möglich, weil es zum Jahresbeginn 2017 in der Statistik eine Schwerpunktverlagerung von Betrieben gab (siehe Vorbemerkung) und die amtliche Statistik den Effekt der Schwerpunktverlagerung auf die Anzahl der Mitarbeiter nicht ausweist. Bereits zum Jahresbeginn 2015 erfolgte eine statistische Umbuchung von Betrieben, die ebenfalls eine direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren einschränkt.

Bruttoentgelte je Arbeitnehmer

  • In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 belief sich der Bruttolohn beziehungsweise das Bruttogehalt je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf monatlich 3.260 Euro.
  • Da infolge der statistischen Umstellung zum Jahresbeginn 2017 sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch die gesamte Einkommenssumme der Branche angepasst wurden, ist ein Vergleich mit dem Vorjahr möglich. Danach lagen im Zeitraum Januar bis September 2017 die Bruttolöhne und -gehälter um 0,9 Prozent über dem entsprechenden Pro-Kopf-Einkommen des Vorjahres. Die Zunahme der Pro-Kopf-Löhne bleibt deutlich hinter der Tariflohndynamik zurück (S. 4).
  • Auch wenn bestimmte Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld erst im vierten Quartal auszahlungswirksam werden, dürfte sich dieser Befund auch nicht ändern, wenn die vollständigen Jahreswerte vorliegen.
  • Da die allgemeine Teuerung sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 auf 1,8 Prozent belief, wurde die reale Effektivlohndynamik gebremst. In den letzten Jahren waren deutliche Realeinkommensanstiege zu verzeichnen.

Tariflohnentwicklung

  • Im Januar 2017 hatten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten (bis zum 31. Oktober 2018) geeinigt. Der Abschluss sah für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgt eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent. Die Laufzeit endet im Oktober 2018.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für die ersten drei Quartale 2017 eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent (nach 2,0 Prozent für 2016, die sich aus den Berechnungen der Deutschen Bundesbank ergeben). Sie wird sich für das Gesamtjahr 2017 nicht mehr ändern. Der Anstieg in der Papier- und Pappeverarbeitung 2017 liegt marginal unter der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik der ersten drei Quartale. Diese beziffert die Deutsche Bundesbank vorläufig auf 2,2 Prozent.
  • Seit dem Jahr 2010 (Basisjahr) sind die Tarifentgelte in der Papierverarbeitenden Industrie bis einschließlich 2016 um insgesamt 15,8 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jahresdurchschnittlichen Tariflohnwachstum in Höhe von 2,6 Prozent.

Exportquote

  • Die Exportquote der deutschen Papierverarbeitenden Industrie lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei 27,3 Prozent.
  • Damit hatte der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2005. Im Zeitraum 2007 bis 2013 lag die Exportquote bei rund 30 Prozent. Nach der Jahrtausendwende gewannen die ausländischen Absatzmärkte der Branche zunehmend an Bedeutung und die Exportquote stieg um rund 10 Prozentpunkte an.
  • Die wieder rückläufige Exportquote ist kein aktuelles Phänomen, sondern dies zeigt sich in der Branche bereits seit dem Jahr 2013. Während die Inlandsumsätze – unter Beachtung der eingeschränkten Vergleichbarkeit – weitgehend stabil blieben, gab das Auslandsgeschäft der Branche in den letzten Jahren tendenziell nach.
  • Mit Blick auf die Entwicklung im Jahresverlauf 2017 gibt es ganz unterschiedliche Entwicklungen auf den einzelnen Märkten: Während die Inlandsumsätze im dritten Quartal 2017 um 3,4 Prozent über dem Wert des ersten Quartals lagen, gab es bei den Auslandsumsätzen insgesamt nur ein Plus von 3,0 Prozent. Dabei ist jedoch die unterschiedliche Dynamik der Geschäfte mit dem Euroraum und jener außerhalb des Euroraums beachtlich: Während die Umsätze mit Kunden aus dem Euroraum im Jahresverlauf um 6,4 Prozent zulegten, gaben sie gleichzeitig mit Kunden außerhalb des Euroraums um 3,5 Prozent nach.

Umsatz

  • Im Zeitraum Januar bis September 2017 konnte die deutsche Papierverarbeitende Industrie einen Gesamtumsatz in Höhe von 15,4 Milliarden Euro erwirtschaften.
  • Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahreswert ist nur eingeschränkt erlaubt, weil aufgrund der betrieblichen Schwerpunktverlagerungen der Umsatz der Branche seit dem Jahresbeginn 2017 deutlich höher ausgewiesen wird. Auch ein langfristiger Umsatzvergleich ist wegen der statistischen Umstellungen zum Jahresbeginn 2015 und 2017 nur eingeschränkt möglich.
  • Gemäß dem Statistischen Bundesamt beläuft sich der positive Statistikeffekt zum Jahresbeginn 2017 auf rund 4 Prozent. Beim Vergleich der Umsatzwerte für die ersten neun Monate der Jahre 2016 und 2017 ergibt sich ein Zuwachs in Höhe von 5,4 Prozent. Unter Herausrechnung des Statistikeffektes dürfte somit ein Plus in Höhe von rund 1 ½ Prozent resultieren.
  • Im Jahresverlauf 2017 konnten die Umsätze in der Papierverarbeitenden Industrie Im dritten Quartal lag der Gesamtumsatz um 3,3 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals 2017.

Monatlicher Umsatz je Beschäftigten

  • Im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2017 betrug der Umsatz je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie 20.037 Euro. Wird unterstellt, dass infolge der Statistikumstellung vom Jahresanfang 2017 die Anzahl der Mitarbeiter und das Umsatzvolumen gleichermaßen revidiert wurden, dann ist ein Vergleich mit den vorhergehenden Jahren und Jahresabschnitten aussagekräftig.
  • Demnach lag der Umsatz je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Dreivierteljahr 2017 um 1,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert.
  • Auch im Jahresverlauf konnte bei dieser Leistungsgröße ein Anstieg realisiert werden. Im dritten Quartal 2017 übertraf der Umsatz je Mitarbeiter den Wert des ersten Quartals um 1,4 Prozent.
  • Damit besteht die fundierte Erwartung, dass sich die Trendwende vom vergangenen Jahr auch im Jahr 2017 fortsetzt. Nach dem durchgehenden Rückgang ab dem Jahr 2011 konnte in der Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2016 erstmals wieder ein Zuwachs beim Umsatz je Beschäftigten erzielt werden.

Entwicklung der Produktion

  • In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 konnte in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland ein Anstieg der Produktion verbucht werden. Die Produktion übertraf das Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums um 0,9 Prozent. Da der Produktionsindex auf Basis fachlicher Betriebsteile und nicht auf Betriebsbasis berechnet wird, ist der Vergleich mit den vorhergehenden Jahren nicht durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben verzerrt.
  • Für das Jahr 2017 besteht die berechtigte Erwartung, dass es zu einer Trendwende kommt. Die Branche war in den vorhergehenden Jahren von einem anhaltenden Produktionsrückgang geprägt. Im Jahr 2016 lag die Produktion um 7,3 Prozent unter dem letzten Höchstwert aus dem Jahr 2011. Auch in den ersten neun Monaten dieses Jahres wird dieser Bezugspunkt noch um gut 6 Prozent verfehlt.
  • Im Jahresverlauf 2017 war bei der monatlichen Produktion keine klare Richtung zu erkennen. Weder im zweiten noch im dritten Quartal 2017 konnte die Produktion des ersten Quartals erreicht werden – es reichte gleichwohl für das genannte Plus in den ersten neun Monaten im Vorjahresvergleich.

Preisentwicklung

  • Auch in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gab es in der Papierverarbeitenden Industrie keinen Anstieg der Erzeugerpreise. Sie lagen exakt auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Dies ist nichts Neues in der Branche. Die Erzeugerpreise stagnieren bereits seit dem Jahr 2011. Die Branche konnte somit in den letzten Jahren ansteigende Kosten nicht auf die Kunden überwälzen. Die stagnierenden Preise dämpfen die Umsatzentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie.
  • Mit Blick auf die ersten neun Monate dieses Jahres hat sich die Preisentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie von jener in der gesamten Industrie abgekoppelt. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe (ohne Energieproduktion) in Deutschland übertrafen die Erzeugerpreise in diesem Zeitraum den Vorjahreswert um 2,5 Prozent. Dabei ist zu bemerken, dass ab dem Jahr 2011 die Preisentwicklung in der Industrie und in der Papierverarbeitenden Industrie mehr oder weniger parallel verlief.
  • In der Papiererzeugenden Industrie steigen die Erzeugerpreise bereits seit dem Jahr 2015 moderat an. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 wurde der entsprechende Vorjahreswert um 0,4 Prozent übertroffen. Wegen der höheren Energieintensität schlagen sich die Veränderungen der Energiepreise in dieser Branche stärker in den Erzeugerpreisen nieder als in der Industrie insgesamt und in der Papierverarbeitenden Industrie.

Entwicklung der Produktivität und Lohnstückkosten

  • In den ersten neun Monaten des Jahres sind die Lohnstückkosten weiter gestiegen. Die Anstiegsrate hat sich jedoch anscheinend abgeschwächt. Sie lag im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum bei 1,2 Prozent. Zuvor waren die Lohnstückkosten fünfmal in Folge um ungefähr 3 Prozent angestiegen.
  • Die einzelnen Quartale zeigen indes eine völlig unterschiedliche Entwicklung. Waren im ersten Quartal 2017 die Lohnstückkosten noch um 4 Prozent höher als im ersten Quartal 2016, lagen die Lohnstückkosten im zweiten Quartal 2017 sogar etwas niedriger als im zweiten Quartal 2016. Im dritten Quartal 2017 sanken die Lohnstückkosten gegenüber dem 3. Quartal 2016 um 0,6 Prozent.
  • Weiter gesunken ist die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten. Sie war in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 um 0,3 Prozent niedriger als in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016. Damit setzte sich der Trend sinkender Produktivität fort: Sie ist bereits seit 2012 rückläufig. Auf die Stunde gerechnet stieg die Produktivität in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum leicht an und zwar um 0,7 Prozent. Ähnlich wie bei den Lohnstückkosten hat sich die Performance bei der Produktivität im Jahresverlauf verbessert: Sowohl je Stunde als auch je Beschäftigten gerechnet legte die Produktivität im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um knapp 2 Prozent zu.

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