Branchendaten

01.06.2015

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe Juni 2015

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, Juni 2015

Vorbemerkung:

Aufgrund einer statistischen Schwerpunktverlagerung wurden ab Januar 2015 eine Reihe von Betrieben einem anderen Wirtschaftszweig (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen ab Januar 2015 gewisse Veränderungen.

  • Die deutsche Wirtschaft ist vergleichsweise moderat in das Jahr 2015 gestartet. Der Zuwachs der preisbereinigten gesamtwirtschaftlichen Produktion übertraf den Vorjahrswert nur um 1,1 Prozent. Das ist insofern überschaubar, weil die deutsche Wirtschaft und auch andere Volkswirtschaften derzeit sehr stark von billigem Öl, billigem Geld und einer billigeren Währung profitieren. Die Wachstumskräfte kamen vor allem aus dem Privaten Konsum, der zum einen von der guten Beschäftigungslage und zum anderen infolge des ruhigen Preisklimas stark begünstigt wird. Vor dem Hintergrund dieser Sondereffekte bestehen derzeit vergleichsweise gute Perspektiven für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2015. Das weltwirtschaftliche Umfeld bleibt aber auch weiterhin von hohen Unsicherheiten geprägt.
  • Die gedämpfte wirtschaftliche Gangart zeigt sich auch in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie. Das ist zum Beispiel an der Anzahl der in der Branche aktiven Unternehmen zu sehen. Im ersten Quartal 2015 waren hier 489 Betriebe registriert. Bei dieser Zahl sind zwei Faktoren zu berücksichtigen. Zum einen werden in der zugrundeliegenden Statistik nur die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten erfasst. Zum anderen kam es zum Jahreswechsel 2014/2015 zu einer branchenübergreifenden Verlagerung von Betrieben. Diese Schwerpunktverlagerungen werden regelmäßig in der amtlichen Statistik vorgenommen.

  • Die Schwerpunktverlagerung bei den Betrieben führt natürlich auch dazu, dass die Anzahl der Beschäftigten in den betroffenen Branchen merklichen statisti-schen Veränderungen unterliegen kann. Bei der Neuklassifizierung der Betriebe zum Januar 2015 wurden knapp 1.300 Mitarbeiter aus der Papierverarbeitenden Industrie in andere Wirtschaftszweige – offensichtlich vor allem in den Bereich der Papierherstellung – verlagert.
  • Eine korrekte Trennung dieses statistischen Effektes von den konjunkturellen Veränderungen ist nicht möglich. Das liegt zum Beispiel auch daran, dass die positive oder negative Beschäftigungsentwicklung der vormals in der Branche vertretenen Betriebe nun nicht mehr sichtbar ist.
  • Im Durchschnitt des ersten Quartals 2015 waren in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie nunmehr 82.195 Personen beschäftigt. Das unterschreitet den Jahresdurchschnitt 2014 um rund 2.150 Personen und die Anzahl im ersten Quartal 2014 um gut 1.800 Beschäftigte.
  • Durch die statistischen Verschiebungen von Betrieben und ihren Beschäftigten können sowohl die absoluten als auch die relativen Veränderungen nur mit erheblichen Einschränkungen ökonomisch interpretiert werden. Im ersten Quartal 2015 sind nunmehr 2,2 Prozent weniger Beschäftigte in der Branche registriert.

  • Im Durchschnitt der ersten drei Monate des Jahres 2015 beliefen sich die monat-lichen Bruttolöhne und Bruttogehälter je Beschäftigten in der deutschen Papier-verarbeitenden Industrie auf 3.145 Euro. Der entsprechende Durchschnittswert des gleichen Vorjahreszeitraums wurde damit um 3,1 Prozent übertroffen.
  • Der über eine lange Zeit anhaltende Einkommensanstieg hat sich also in der Branche auch im ersten Quartal dieses Jahres fortgesetzt.
  • Beim Vergleich der Quartalswerte mit den Jahresdurchschnitten ist zu berück-sichtigen, dass eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld – erst in späteren Quartalen wirksam werden, und dann erst den Jahresdurchschnitt beeinflussen.
  • Infolge des Anstiegs der nominalen Einkommen im ersten Quartal 2015 um 3,1 Prozent und der gleichzeitig stabilen Verbraucherpreise konnte in der Branche eine kräftige Verbesserung der Realeinkommen realisiert werden. Im Durchschnitt der ersten drei Monate des Jahres 2015 lagen die Verbraucherpreise auf dem Vorjahresniveau, was einer Inflationsrate von 0 Prozent entspricht. Dies liegt zu einem beträchtlichen Teil an den rückläufigen Energiepreisen infolge des Ölpreisrückgangs. Ohne Energiepreise belief sich die Teuerung auf +0,9 Prozent.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 werden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgt eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich eine Kostenbelastung von 2,7 Prozent für 2014 und eine von 2,6 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent) und wäre noch niedriger, wenn nicht ein statistischer Über-hang von 3 Prozent aus dem 2012er Abschluss die kalenderjährliche Rechnung belasten würde. Der Anstieg 2014 fiel auch etwas niedriger als im gesamtwirt-schaftlichen Durchschnitt (2,9 Prozent) aus.
  • In einer längerfristigen Betrachtung seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von knapp 2,4 Prozent. Dabei gab es unterschiedliche Phasen: Nach einem unterdurchschnittlichen Wachstum 2006 und 2007 legten die Tariflöhne 2008 und 2009 stärker zu. Nach einer krisenbedingten Abschwächung beschleunigte sich die Tariflohndynamik 2013 erneut. Dies wirkte durch den statistischen Überhang auch 2014 noch nach. Im laufenden Jahr bringt der neue Tarifabschluss aber eine deutliche Abschwächung.

  • Die statistischen Schwerpunktverlagerungen zum Jahreswechsel 2014/2015 beeinflussen nicht nur die Anzahl der Betriebe und Beschäftigten der deutschen Papierverarbeitenden Industrie, sondern auch die Umsätze. Dies muss beim Vergleich der Ergebnisse für das erste Quartal 2015 mit dem Wert für das entsprechende Vorjahresquartal beachtet werden.
  • Der Gesamtumsatz der Papierverarbeitenden Industrie belief sich in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 auf insgesamt gut 4,7 Milliarden Euro. Damit wur-de der Wert des gleichen Vorjahreszeitraums um 200 Millionen Euro oder um gut 4 Prozent unterschritten.
  • Aus dieser Entwicklung ist also nicht direkt zu ersehen, ob sich die rückläufige Umsatztendenz der Branche im ersten Quartal 2015 fortgesetzt hat. Nach dem Umsatzrekord der Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2011 war in den Folge-jahren ein durchgehender Umsatzrückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2014 lag der Gesamtumsatz der Branche erstmals seit 2011 wieder unter 20 Milliarden Euro.
  • Im eingeschränkten Vergleich mit dem ersten Quartal 2014 gaben in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 sowohl die Inlandsumsätze als auch die Geschäfte der Branche mit Kunden aus dem Ausland nach.

  • Die Umgruppierungen von Unternehmen der Papierverarbeitenden Industrie in andere Branchen sollte auf den ersten Blick keine Auswirkungen auf die Relation von Umsatz zu Beschäftigten haben, da durch die statistische Betriebsverlagerung sowohl die Beschäftigten als auch die Umsätze betroffen waren. Gleichwohl kann nicht ausgeschlossen werden, dass möglicherweise umsatzstarke oder umsatzschwache Betriebe ausgegliedert wurden.
  • Im ersten Quartal 2015 lag der durchschnittliche Umsatz je Beschäftigten in der Papierverarbeitenden Industrie bei 19.296 Euro. Damit wurde der Wert des ent-sprechenden Vorjahreszeitraums um 2 Prozent verfehlt. Dies ist ein Hinweis da-rauf, dass die Umsatzentwicklung im Startvierteljahr 2015 offensichtlich unabhängig von der statistischen Schwerpunktverlagerung spürbar nachgegeben haben dürfte.
  • Analog zur Entwicklung des Gesamtumsatzes muss die Branche nunmehr auf eine anhaltende Abschwächung ihrer Geschäftstätigkeit zurückblicken. Die Um-sätze je Mitarbeiter erreichten im Jahr 2011 einen Höchstwert. Sie sind seitdem durchgehend zurückgegangen und unterschritten in den Jahren 2013 und 2014 jeweils die Schwelle von 20.000 Euro Umsatz je Beschäftigten.

  • Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz betrug in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im ersten Vierteljahr 2015 nur noch 28,2 Prozent. Das ist die niedrigste Exportquote seit dem Jahr 2005 – zumindest wenn die Jah-resdurchschnittswerte als Vergleichsmaß herangezogen werden. Bereits im Jahr 2014 war ein merklicher Rückgang des Exportanteils auf gut 29 Prozent zu be-obachten. In den beiden vorhergehenden Jahren lag die Quote jeweils bei über 30 Prozent.
  • Die in den ersten drei Monaten dieses Jahres rückläufige Exportquote der Papierverarbeitenden Industrie folgt daraus, dass die Auslandsumsätze erheblich stärker rückläufig waren als die Inlandsumsätze. Während das Geschäft mit Kunden aus dem Ausland um 6,8 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2014 nachgab, war bei den Inlandsumsätzen ein Minus von 3 Prozent zu verbuchen. Bei diesen Umsatzveränderungen muss gleichwohl auch die Schwerpunktverlagerung der Betriebe berücksichtigt werden. Trotzdem verbleibt der Tatbestand, dass die Auslandsumsätze stärker sanken.
  • Ein genauerer Blick auf die Auslandsumsätze zeigt, dass vor allem die Umsätze mit Ländern außerhalb des Euroraums mit 14,3 Prozent erheblich einbrachen. Die Umsätze mit Kunden aus dem Euroraum gaben in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent nach.

  • Die Produktion der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland lag im ersten Quartal 2015 um 1,2 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Auch der Jahresdurchschnittswert von 2014 wurde leicht verfehlt.
  • Damit ist die Branche derzeit deutlich, und zwar um rund 5 bis 6 Prozent hinter dem Produktionsniveau zurück, das in den Jahren 2010 und vor allem 2011 realisiert werden konnte. Auch die Produktionsleistung des Jahres 2008, also von vor der großen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wurde sowohl im Jahr 2014 als auch im ersten Quartal 2015 deutlich verfehlt.
  • Dieser Befund zur Produktionstätigkeit deckt sich auch mit der Umsatzentwick-lung. Der im ersten Quartal stärkere Umsatzrückgang kann sich aus mehreren Faktoren ergeben. Zum einen kann ein Teil der Produktion nicht umsatzwirksam werden, sondern im Lager verbleiben. Zum anderen fließen in die Umsatzent-wicklung auch die Preise mit ein. Rückläufige Verkaufspreise können dazu füh-ren, dass in Kombination mit der ebenfalls sinkenden Verkaufsmenge die nominalen Umsätze stärker zurückgehen. In der Tat lagen die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Vierteljahr 2015 um 0,6 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.

  • Die Lohnstückkosten steigen seit 2010 ununterbrochen. Auch für 2015 deutet sich ein Anstieg an. Damit würden die Lohnstückkosten das fünfte Mal in Folge steigen. Im ersten Halbjahr 2015 betrug der Zuwachs zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 2 Prozent und war damit schwächer als in den Vorjahren – zuvor hatte der Anstieg drei Mal in Folge über 3 Prozent betragen.
  • Spiegelbildlich zur Entwicklung der Lohnstückkosten ist das Bild bei der Produktivität. Je Beschäftigten gerechnet ist die Produktivität nach 2011 drei Jahre in Folge gesunken. Auch im ersten Halbjahr 2015 ging die Produktion je Beschäftigten leicht zurück. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Arbeitszeit im ersten Halbjahr 2015 um 1,6 Prozent niedriger war als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014. Je Stunde gerechnet war die Produktivität im ersten Halbjahr daher um gut 1 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
  • Sollten die Lohnstückkosten auch im zweiten Halbjahr um 2 Prozent über dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums liegen, wären die Lohnstückkosten 2015 um gut 14 Prozent – also fast genau ein Siebtel – höher als im Vorkrisenjahr 2007. Damit zeigt sich für die Papierverarbeitende Industrie eine ähnlich hohe Belastung für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit wie für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt.

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