Branchendaten

01.09.2015

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe September 2015

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, September 2015

Vorbemerkung:

Die gestiegene weltwirtschaftliche Unsicherheit und die moderate Gangart der deutschen Wirtschaft treffen offensichtlich auch die deutsche Papierverarbeitende Industrie. Die Produktion und auch die Umsätze waren im bisherigen Jahresverlauf 2015 rückläufig. Auch wegen statistischer Umstellungen hat die Branche auf Basis der amtlichen Daten die Vorjahresergebnisse bei der Beschäftigung nicht erreicht. Die deutlich gesunkenen Energiekosten führen auch in der Papierverarbeitenden Industrie zu leicht rückläufigen Erzeugerpreisen.

  • Die ersten Erwartungen an die deutsche Wirtschaft haben sich offensichtlich nicht erfüllt. Zwar konnte das Exportgeschäft im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr kräftig zulegen. Der schwächere Euro hat hierzu auch beigetragen. Auch die Konsumausgaben der privaten Haushalte lagen preisbereinigt um rund 2 Prozent über dem Vorjahreswert. Hier machen sich zuletzt vor allem die stark rückläufigen Energiepreise positiv bemerkbar. Die Investitionstätigkeit war aber nach wie vor gedämpft. Vor allem der Lagerabbau hat das Wachstum hierzulande kräftig abgebremst. Die globalen Unsicherheiten sorgen hier noch für eine spürbare Zurückhaltung der Unternehmen. In der Summe lag das reale Bruttoinlandsprodukt in den ersten sechs Monaten nur um knapp 1½ Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Damit dürfte ein gesamtwirtschaftlicher Zuwachs im Gesamtjahr 2015 von über 2 Prozent nur noch schwer zu erreichen sein. Die Beschäftigung expandierte weiterhin, allerdings deutlich zurückhaltender als in den Vorjahren.
  • Die deutsche Papierverarbeitende Industrie konnte sich diesem moderaten Umfeld nicht entziehen. In der Branche gab es im ersten Halbjahr 2015 im Durchschnitt 491 Betriebe. Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr kann leider nicht vor-genommen werden, weil es zum Jahreswechsel 2014/2015 zu einer branchenübergreifenden statistischen Verlagerung von Betrieben kam. Diese führte dazu, dass in der Branche nunmehr weniger Betrieb registriert sind.

  • Die Schwerpunktverlagerung zum Jahreswechsel 2014/2015 hat sich natürlich auch auf die Anzahl der Beschäftigten ausgewirkt. Aus der Papierverarbeitenden Industrie wurden zum Januar 2015 knapp 1.300 Mitarbeiter in andere Wirtschaftszweige – offensichtlich vor allem in den Bereich der Papierherstellung – verlagert. Auch dies erlaubt keinen direkten Vergleich mit den Vorjahreswerten.
  • Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2015 waren in der Papierverarbeitenden Industrie 82.443 Personen beschäftigt. Wie bei einer Reihe anderer Wirtschaftsindikatoren werden hier nur die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten berücksichtigt. Der entsprechende und nicht vergleichbare Vorjahreswert wird dabei – vor allem durch die Neuklassifikation der Branchen – um 1.630 Personen oder um 1,9 Prozent unterschritten.
  • Im Jahresverlauf 2015 konnte jedoch unabhängig von diesen statistischen Änderungen ein markanter und nahezu durchgängiger Beschäftigungsaufbau realisiert werden. Im Juni 2015 waren in der Papierverarbeitenden Industrie gut 82.900 Personen beschäftigt. Vergleicht man das zweite Quartal mit dem ersten Quartal 2015 dann zeigt sich für diese Branche ein Zuwachs an Beschäftigung in Höhe von knapp 480 Personen oder 0,6 Prozent.

  • Im ersten Halbjahr 2015 konnten die Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Durchschnitt ein monatliches Bruttoeinkommen in Höhe von 3.211 Euro verbuchen. Beim Vergleich der einzelnen Quartals- oder Halbjahreswerte mit den Jahresdurchschnitten ist zu berücksichtigen, dass eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld – in bestimmten Quartalen wirksam werden. Dies kann den direkten Vergleich von Quartals- und Jahresdurchschnittswerten verzerren.
  • Der im Zeitverlauf zu beobachtende durchgehende Einkommensanstieg konnte in der Papierverarbeitenden Industrie auch im ersten Halbjahr 2015 verzeichnet werden. Im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreswert konnte ein Zuwachs in Höhe von 1,5 Prozent realisiert werden. Das liegt leicht über dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
  • Vor dem Hintergrund der nur sehr moderaten Inflation im bisherigen Jahresverlauf 2015 konnte somit in der Branche ein merklicher Anstieg der Realeinkommen erzielt werden. Die Inflationsrate belief sich im Durchschnitt der ersten sechs Monate 2015 auf gerade einmal ¼ Prozent. Dies liegt in einem hohen Maß an den erheblich gesunkenen Energiepreisen.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 werden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgt eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich eine Kostenbelastung von 2,7 Prozent für 2014 und eine von 2,6 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent) und wäre noch niedriger, wenn nicht ein statistischer Überhang von 3 Prozent aus dem 2012er Abschluss die kalenderjährliche Rechnung belasten würde. Der Anstieg 2014 fiel auch etwas niedriger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (2,9 Prozent) aus.
  • In einer längerfristigen Betrachtung seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von knapp 2,4 Prozent. Dabei gab es unterschiedliche Phasen: Nach einem unterdurchschnittlichen Wachstum 2006 und 2007 legten die Tariflöhne 2008 und 2009 stärker zu. Nach einer krisenbedingten Abschwächung beschleunigte sich die Tariflohndynamik 2013 erneut. Dies wirkte durch den statistischen Überhang auch 2014 noch nach. Im laufenden Jahr bringt der neue Tarifabschluss aber eine deutliche Abschwächung.

  • Die gesamten Umsätze der Papierverarbeitenden Industrie summierten sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 auf 9,5 Milliarden Euro.
  • Das Umsatzvolumen des gleichen Vorjahreszeitraums wurde damit um 345 Millionen Euro oder um 3,5 Prozent unterschritten. Aber auch dieser Vergleich ist durch die statistische Schwerpunktverlagerung von Unternehmen dieser Branche zum Jahreswechsel 2014/2015 deutlich verzerrt.
  • Ein Blick auf die von den statistischen Änderungen unbeeinflussten monatlichen Daten für die bisherigen sechs Monate zeigt, dass die Umsatzentwicklung im Jahresverlauf 2015 keine klare Richtung aufweist. Es gab immer wieder Anstiege und Rückgänge. Gleichwohl lag der durchschnittliche Umsatz im zweiten Quartal um 1,2 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2015.
  • Vor dem Hintergrund der neuen Branchenzuordnung und auch der schleppenden Entwicklung im Jahresverlauf dürfte die Branche in diesem Jahr die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro nicht erreichen. Vor allem in den Jahren 2011 und 2012 wurde dieses Umsatzvolumen zum Teil deutlich übertroffen.

  • In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 lag der durchschnittliche Umsatz je Beschäftigten in der Papierverarbeitenden Industrie bei 19.127 Euro. Damit wurde der Wert vom ersten Halbjahr 2014 um 1,6 Prozent verfehlt.
  • Die statistischen Verzerrungen, die infolge der neuen Branchenzuordnung von Unternehmen der Papierverarbeitenden Industrie bei einer Reihe von Indikatoren (Betriebe, Beschäftigte, Umsätze) zu beobachten sind, sollten auf den ersten Blick bei der Relation von Umsatz zu Beschäftigten nicht auftreten. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn durch die statistische Betriebsverlagerung sowohl die Beschäftigten als auch die Umsätze gleichermaßen verändert werden.
  • Ist diese Annahme einigermaßen erfüllt, dann kann aus den vorliegenden Daten geschlossen werden, dass die Umsatzentwicklung je Beschäftigten in der Papierverarbeitenden Industrie nachgelassen hat. Dieser Befund wird auch durch die Entwicklung im Jahresverlauf 2015 unterstützt. Im zweiten Quartal lag der Umsatz je Beschäftigten um 1,7 Prozent unter dem Wert des ersten Quartals 2015.
  • Vor diesem Hintergrund wird voraussichtlich im Jahresdurchschnitt 2015 ein Umsatzniveau je Beschäftigten in Höhe von über 20.000 Euro – wie in den Jahren 2011 und 2012 – nicht erreicht.

  • Die über eine lange Zeit stabile Umsatzstruktur der deutschen Papierverarbeitenden Industrie wurde seit dem Jahr 2013 wieder spürbaren Veränderungen ausgesetzt. Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz ist im Zeitraum 2000 bis 2007 von knapp 20 auf knapp 30 Prozent angestiegen. In den Folgejahren blieb diese Aufteilung durchgehend bei rund 30 Prozent – in den Jahren 2012 und vor allem 2013 stieg die Exportquote dieser Branche sogar auf über 30 Prozent an. Im Jahr 2014 war dagegen ein spürbarer Rückgang des Exportanteils auf gut 29 Prozent zu verzeichnen.
  • Im ersten Halbjahr 2015 belief sich der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz schließlich nur noch auf 28,2 Prozent. Das ist die niedrigste Exportquote seit dem Jahr 2005 auf Basis von Jahresdurchschnittswerten.
  • Die merklich niedrigere Exportquote der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Halbjahr 2015 liegt an den deutlich stärker rückläufigen Auslandsumsätzen: Während diese auf Basis der durch die Klassifikationsänderungen eingeschränkten Vorjahresvergleichs um 7,6 Prozent zurückgingen, war bei den Inlandsumsätzen nur ein Rückgang in Höhe von 1,8 Prozent zu beobachten. Vor allem mit den Kunden außerhalb des Euroraums war im ersten Halbjahr 2015 ein kräftiger Umsatzeinbruch eingetreten.

  • Die Entwicklung der Produktion steht im Gleichklang mit der Gangart der Umsätze in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie. Seit dem jeweiligen Höhepunkt im Jahr 2011 ist bei beiden Outputkennziffern ein durchgängiger Rückgang zu verzeichnen.
  • Anhand der durchschnittlichen Produktionsleistung im ersten Halbjahr 2015 unterschritt die Branche den Höchstwert aus dem Jahr 2011 um 7,3 Prozent. Auch das Produktionsniveau von vor der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wird nunmehr deutlich verfehlt. Vielmehr liegt die Branche nahe am Durchschnitt des Krisenjahres 2009.
  • Im ersten Halbjahr 2015 wurde der entsprechende Vorjahreswert um 0,9 Prozent unterschritten. Auch das Produktionsniveau im zweiten Quartal 2015 unterschritt die Leistung im ersten Quartal dieses Jahres deutlich um 2,2 Prozent.
  • Der im Jahresverlauf 2015 etwas stärkere Produktionsrückgang im Vergleich mit den Umsätzen der Branche kann sich aus mehreren Faktoren ergeben. Zum einen kann ein Teil der Umsätze aus zuvor gebildeten Lägern gespeist werden. Zum anderen fließen in die Umsatzentwicklung auch die Preise mit ein. Ansteigende Verkaufspreise können dazu führen, dass die nominalen Umsätze weniger stark zurückgehen als die Produktion. Dies war zuletzt aber nicht der Fall.

  • Trotz der auf globaler Ebene expansiven Geldpolitik ist das Preisklima in vielen Ländern sehr ruhig. Inflation ist derzeit in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften kein Thema. Dies liegt an der deutlich abgebremsten Dynamik der Weltwirtschaft und am auch damit verbundenen starken Rückgang der Öl- und Energiepreise. In Deutschland belief sich der Anstieg der Verbraucherpreise im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gerade einmal auf ¼ Prozent.
  • Die Erzeugerpreise in der gesamten deutschen Industrie unterschritten im ersten Halbjahr 2015 sogar den entsprechenden Vorjahreswert um 0,4 Prozent.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie lagen die Erzeugerpreise in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ebenfalls um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Wie auch in der gesamten Industrie kann diese Branche auf eine mittelfristige stabile Preislage zurückblicken. Seit dem Jahr 2011 stagnieren die Preise in der Industrie und in der Papierverarbeitenden Industrie.
  • Die Erzeugerpreise in der Papiererzeugenden Industrie in Deutschland weisen demgegenüber in den letzten Jahren einen durchgehenden Rückgang auf. Dies liegt an der höheren Energieintensität dieses Wirtschaftszweiges und an den vor allem zuletzt stark gesunkenen Öl- und Energiepreisen. Im ersten Halbjahr 2015 lagen die Erzeugerpreise um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert und um 7,5 Prozent unter dem Höchstwert des Jahres 2011.

  • Die Lohnstückkosten steigen seit 2010 ununterbrochen. Auch für 2015 deutet sich ein Anstieg an. Damit würden die Lohnstückkosten das fünft Mal in Folge steigen. Im ersten Halbjahr 2015 betrug der Zuwachs zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 2 Prozent und war damit schwächer als in den Vorjahren – zuvor hatte der Anstieg drei Mal in Folge über 3 Prozent betragen.
  • Spiegelbildlich zur Entwicklung der Lohnstückkosten ist das Bild bei der Produktivität. Je Beschäftigten gerechnet ist die Produktivität nach 2011 drei Jahre in Folge gesunken. Auch im ersten Halbjahr 2015 ging die Produktion je Beschäftigten leicht zurück. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Arbeitszeit im ersten Halbjahr 2015 um 1,6 Prozent niedriger war als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014. Je Stunde gerechnet war die Produktivität im ersten Halbjahr daher um gut 1 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
  • Sollten die Lohnstückkosten auch im zweiten Halbjahr um 2 Prozent über dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums liegen, wären die Lohnstückkosten 2015 um gut 14 Prozent – also fast genau ein Siebtel – höher als im Vorkrisenjahr 2007. Damit zeigt sich für die Papierverarbeitende Industrie eine ähnlich hohe Belastung für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit wie für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt.

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