Branchendaten

01.12.2015

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe Dezember 2015

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, Dezember 2015

Vorbemerkung:

Aufgrund einer statistischen Schwerpunktverlagerung wurde ab Januar 2015 eine Reihe von Betrieben einem anderen Wirtschaftszweig (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen ab Januar 2015 gewisse Veränderungen.

  • Die deutsche Wirtschaft geht mit moderater Schlagzahl hinein in unbekannte Gewässer. Unbekannt sind die gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen der hohen Flüchtlingszuwanderungen. Hierzu sind allenfalls Annahmen und Schätzungen möglich. Unbekannt sind auch die Auswirkungen der seit langer Zeit wieder rückläufigen globalen Investitionstätigkeit. Eine schwächer laufende Weltwirtschaft ist zwar nichts Neues. Der Abriss des globalen Investitionsbooms bleibt jedoch nicht ohne Folgen für die deutsche Wirtschaft, die stark auf die Produktion und den Handel von Investitionsgütern ausgerichtet ist. Erfreulich bleibt dagegen die Entwicklung beim Konsum. Dieser war in den letzten Jahren der größte Konjunkturtreiber in Deutschland. Die Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung sowie die geringere Sparneigung erklären dies. In 2015 bekam die Konsumkonjunktur durch die deutlich gesunkenen Energiepreise kräftig Rückenwind.
  • Die infolge der weltwirtschaftlich ruhigeren Gangart deutlich abgebremste Entwicklung der deutschen Industrie zeigt sich auch in der Papierverarbeitenden Industrie. In den ersten neun Monaten wurden in diesem Wirtschaftszweig im Durchschnitt 490 Betriebe gezählt. Große Schwankungen waren dabei nicht zu beobachten. Wegen einer Umstellung der Statistik ist jedoch ein direkter Vergleich mit den Vorjahren nicht möglich. Dadurch werden in dieser Branche nunmehr weniger Betrieb registriert.

  • In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 waren in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland im Durchschnitt 82.786 Personen beschäftigt. Wie bei einer Reihe anderer Wirtschaftsindikatoren werden nur die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten berücksichtigt. Außerdem ist auch hier der direkte Vorjahresvergleich für die einzelnen Quartale und Monate wegen der statistischen Schwerpunktverlagerungen zum Jahreswechsel 2014/2015 nicht möglich. Infolge dieser Umstellung wurden rund 1.300 Mitarbeiter von der Papierverarbeitenden Industrie in andere Wirtschaftsbereiche umgebucht.
  • Unabhängig von diesen Umstellungen liefert ein Blick auf die Beschäftigungsentwicklung im Jahresverlauf 2015 für die Branche ein positives Bild. Im September 2015 übertraf die Anzahl der Beschäftigten in der Papierverarbeitenden Industrie das Niveau vom Januar 2015 um knapp 2.000 Personen. Gegenüber dem Vorquartal konnte im dritten Quartal 2015 ein Beschäftigungszuwachs in Höhe von 1 Prozent realisiert werden.
  • Damit zeigt sich auch in diesem Wirtschaftsbereich das auf gesamtwirtschaftlicher Ebene stattfindende Phänomen eines Beschäftigungsaufbaus in einem moderaten Wirtschaftsumfeld.

  • Die Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie konnten im Durchschnitt der ersten neun Monate dieses Jahres ein monatliches Bruttoeinkommen in Höhe von 3.178 Euro erzielen.
  • Im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum wurde ein Einkommensplus von 1,6 Prozent realisiert. Dieser Vergleich ist nicht durch die statisti-sche Umstellung verzerrt, da sowohl die Arbeitsentgelte als auch die Anzahl der Mitarbeiter gleichermaßen angepasst wurden – und somit das Durchschnittseinkommen nicht beeinträchtigt wird.
  • Beim Vergleich der einzelnen Quartalswerte oder der Summe der ersten drei Quartale mit den Gesamtjahresdurchschnitten ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld – in bestimmten Quartalen wirksam werden. Dies kann den direkten Vergleich von Quartals- und Jahresdurchschnittswerten verzerren.
  • Da sich die Inflationsrate – wegen der stark rückläufigen Rohstoff- und Energiepreise – im Jahresverlauf 2015 deutlich zurückgebildet hat, konnte in der Papier-verarbeitenden Industrie im bisherigen Jahresverlauf 2015 ein deutlicher Anstieg der Realeinkommen realisiert werden. Die Inflationsrate belief sich im Durchschnitt der ersten neun Monate des Jahres 2015 auf nur 0,3 Prozent.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 werden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgt eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich eine Kostenbelastung von 2,7 Prozent für 2014 und eine von 2,6 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent) und wäre noch niedriger, wenn nicht ein statistischer Überhang von 3 Prozent aus dem 2012er Abschluss die kalenderjährliche Rechnung belasten würde. Der Anstieg 2014 fiel auch etwas niedriger als im gesamtwirt-schaftlichen Durchschnitt (2,9 Prozent) aus.
  • In einer längerfristigen Betrachtung seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von knapp 2,4 Prozent. Dabei gab es unterschiedliche Phasen: Nach einem unterdurchschnittlichen Wachstum 2006 und 2007 legten die Tariflöhne 2008 und 2009 stärker zu. Nach einer krisenbedingten Abschwächung beschleunigte sich die Tariflohndynamik 2013 erneut. Dies wirkte durch den statistischen Überhang auch 2014 noch nach. Im laufenden Jahr bringt der neue Tarifabschluss aber eine deutliche Abschwächung.

  • In der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland beliefen sich die gesamten Umsätze mit Kunden aus dem In- und Ausland in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 auf zusammen 14,4 Milliarden Euro.
  • Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gingen die Gesamtumsätze der Branche um 440 Millionen Euro oder 3 Prozent zurück. Dieser Vorjahresvergleich ist allerdings durch die statistische Schwerpunktverlagerung von Unternehmen zum Jahreswechsel 2014/2015 erheblich eingeschränkt. Auch infolge dieser Umstellung dürfte die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro Jahresumsatz in diesem Jahr nur noch schwer zu erreichen sein. Dies gelang aber bereits im Jahr 2014 schon nicht mehr.
  • Im Jahresverlauf 2015 gibt die Umsatzentwicklung der Papierverarbeitenden In-dustrie keine eindeutige Richtung vor. Auf Basis der Quartalswerte für das Jahr 2015 ergibt sich folgendes – von der Statistikumstellung nicht beeinträchtigtes – Jahresprofil: Im zweiten Quartal 2015 wurde der Gesamtumsatz des ersten Quartals 2015 um 1,7 Prozent verfehlt. Dagegen konnte im dritten Quartal 2015 gegenüber dem vorhergehenden zweiten Quartal 2015 ein deutlicher Zuwachs in Höhe von 4,8 Prozent realisiert werden.

  • Der durchschnittliche Umsatz je Beschäftigten lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der Papierverarbeitenden Industrie bei 19.314 Euro pro Monat.
  • Geht man davon aus, dass sich infolge der statistischen Betriebsverlagerung sowohl die Beschäftigten als auch die Umsätze gleichermaßen veränderten, dann dürfte der Vergleich der Umsätze je Beschäftigten mit den Vorjahreswerten nicht statistisch verzerrt sein. In den ersten neun Monaten 2015 lag somit der Umsatz je Beschäftigten um 1,2 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.
  • Wie beim Umsatz ergibt sich hierbei allerdings auch keine klare Entwicklungsrichtung in diesem Jahr. Diese Leistungskennziffer weist erhebliche Schwankungen auf. Dies zeigt sich auch beim Blick auf die Veränderungen in den einzelnen Quartalen gegenüber ihren Vorquartalen: während im zweiten Quartal 2015 der Wert des ersten Quartals 2015 um 1,7 Prozent verfehlt wurde, gab es im dritten Quartal 2015 gegenüber dem zweiten Quartal einen deutlichen Zuwachs in Höhe von 3,8 Prozent.
  • Gleichwohl stellt es für die Branche eine Herausforderung dar, beim Umsatz je Beschäftigten mit Blick auf das Gesamtjahr 2015 das Niveau des Vorjahres zu erreichen. Dabei gilt zu beachten, dass bereits in den vorhergehenden Jahren Rückgänge bei diesem Indikator zu verzeichnen waren.

  • Das abgeschwächte Tempo der Weltwirtschaft spiegelt sich auch deutlich in der Umsatzstruktur der deutschen Papierverarbeitenden Industrie wider. Erstmals seit langer Zeit hat sich die Exportquote der Branche merklich zurückgebildet. Diese Entwicklung zeigt sich auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene.
  • In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 hatten die Auslandsumsätze einen Anteil am Gesamtumsatz der Branche in Höhe von 28,2 Prozent. Dies liegt leicht unterhalb des Niveaus vom Jahr 2006. Dagegen hatte die Papierverarbeitende Industrie im Zeitraum 2007 bis 2013 eine nahezu stabile Umsatzstruktur mit einer Exportquote von rund 30 Prozent. Zuvor hatte die Branche ihre Internationalisierung über ein steigendes Gewicht der Auslandsumsätze deutlich ausgebaut.
  • Der Rückgang der Exportquote der Papierverarbeitenden Industrie im bisherigen Jahresverlauf 2015 ist dadurch zu erklären, dass die Auslandsumsätze gegenüber den Inlandsumsätze erheblich nachgaben. Der aufgrund der Statistikumstellung eingeschränkte Vorjahresvergleich legt dies nahe: Während die Auslandsumsätze um 6,5 Prozent zurückgingen, war bei den Inlandsumsätzen nur ein Minus von 1,5 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt gingen vor allem die Umsätze mit Kunden außerhalb des Euroraums deutlich zurück.

  • Anhand der Entwicklung in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 wird die deutsche Papierverarbeitende Industrie auch in diesem Jahr ihr Vorjahresergebnis verfehlen. Damit dürfte sich der Produktionsrückgang, der bereits im Jahr 2012 begann, fortsetzen.
  • In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag die Produktion der Branche um 0,9 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Dabei hat sich das Rückgangstempo im Vergleich mit den vorhergehenden Jahren abgemildert.
  • Auf Basis der bisherigen Produktion in den ersten drei Quartalen des Jahres 2015 ergibt sich gegenüber dem Höchstwert aus dem Jahr 2011 ein Rückgang um 6,6 Prozent. Außerdem ist das gegenwärtige Produktionsniveau nach wie vor deutlich unterhalb des Vorkrisenergebnisses des Jahres 2008.
  • Produktion und Umsatz in der Papierverarbeitenden Industrie weisen seit dem Jahr 2011 die gleiche Entwicklungsrichtung auf. Die Rückgänge auf Basis des Produktionsindex fallen allerdings stärker aus. Eine mögliche Erklärung kann darin liegen, dass die Branche auch Umsätze tätigt, die nicht aus eigener Produktion stammen. Ansteigende Preise wären eine weitere Erklärung. Dies ist aber in dieser Branche nicht der Fall.

  • Die weltwirtschaftliche Abschwächung und vor allem die rückläufigen Energie- und Rohstoffpreise führten zu einer moderaten globalen Preisentwicklung. Im dritten Quartal 2015 lagen die Rohölpreise bei gut 50 US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahr einer Halbierung entspricht. Die expansive Geldpolitik, die in allen großen Wirtschaftsräumen erfolgt, hat dagegen bisher keine Inflationswirkungen.
  • Vor dem Hintergrund dieses globalen Umfelds lagen die Erzeugerpreise in der gesamten deutschen Industrie (ohne Energieerzeugung) in den ersten neun Monaten 2015 um 0,4 Prozent unter ihrem entsprechenden Vorjahreswert.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie unterschritten die Erzeugerpreise in den ersten drei Quartalen 2015 den entsprechenden Vorjahreswert um 0,1 Prozent. Wie auch in der gesamten Industrie kann diese Branche auf eine mittelfristige stabile Preislage zurückblicken. Seit dem Jahr 2011 stagnieren die Erzeugerprei-se in der Industrie (ohne Energie) und in der Papierverarbeitenden Industrie.
  • Dagegen war bei den Erzeugerpreisen der Papiererzeugenden Industrie in den letzten Jahren – wegen der höheren Energieintensität und der gefallenen Energiepreise – ein durchgehender Rückgang zu verzeichnen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 unterschritten sie den entsprechenden Vorjahreswert um 2,1 Prozent.

  • Die Ergebnisse des 3. Quartals bestätigen den Trend steigender Lohnstückkosten: Nimmt man die ersten neun Monate des Jahres 2015 zusammen, ergibt sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ein Anstieg von 2,4 Prozent. Damit ergibt sich zwar gegenüber den Jahren 2012 bis 2014 mit Zuwächsen von jeweils gut 3 Prozent eine etwas schwächere Dynamik, aber noch immer eine merkliche Erhöhung. Somit werden aller Voraussicht nach die Lohnstückkosten 2015 zum fünften Mal in Folge steigen.
  • Weiterhin rückläufig ist die Produktivität. In den ersten drei Quartalen 2015 war sie je Beschäftigten um 0,8 Prozent niedriger als im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2014. Durch die kürzere Arbeitszeit im Jahr 2015 ergibt sich je Stunde allerdings ein sehr leichter Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber 2014. Unabhängig davon, ob man die Produktivität je Stunde oder je Beschäftigten berechnet, wird die Produktivität im Jahr 2015 zum vierten Mal in Folge entweder gesunken sein oder allenfalls stagniert haben.
  • Sollte sich im vierten Quartal 2015 die Entwicklung der Lohnstückkosten im gleichen Tempo fortsetzen wie in den ersten drei Quartalen, lägen die Lohnstückkosten 2015 um fast 15 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2007.

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