Branchendaten

01.04.2016

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe April 2016

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, April 2016

Vorbemerkung:

Die Produktion der Papierverarbeitenden Industrie war im Jahr 2015 rückläufig. Der Rückgang war zwar nicht mehr so hoch wie in den Vorjahren, seit 2011 hält er aber nunmehr schon an. Gemessen daran war die Beschäftigungsentwicklung erfreulich. Im Jahresverlauf 2015 wurden in der Branche rund 1 Prozent mehr Stellen geschaffen. Die Branche muss sich jedoch in einem zunehmend schwächer werdenden weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten. Während die Umsatzlage im Inland weitgehend konstant war, gingen vor allem die Umsätze mit Kunden außerhalb des Euroraums deutlich zurück.

  • Im Jahresverlauf 2015 erhielt die deutsche Wirtschaft kräftig Rückenwind: Die Öl- und Energiepreise gingen deutlich zurück. Dies verbilligte die Produktionskosten der Unternehmen und stärkte merklich die Kaufkraft der privaten Haushalte. Der Euro hat gegenüber einer Reihe von Währungen zum Teil deutlich abgewertet. Das begünstigte das Exportgeschäft. Nicht zuletzt erreichten die Zinsen ein Rekordtief, was zumindest die Kreditfinanzierung des Staates, der Unternehmen und der Haushalte weiterhin erleichterte. Dieses günstige Umfeld hat allerdings nur den privaten Konsum belebt. Beim Staatskonsum waren bereits deutlich positive Impulse durch die Flüchtlingszuwanderung zu verzeichnen. Die Investitionen kamen jedoch trotz der guten Konsumkonjunktur kaum in Fahrt. Die deutlich nachlassende Weltwirtschaft – infolge der Abkühlung in vielen Schwellenländern und der nur moderat tendierenden US-Wirtschaft – hat auch beim deutschen Export zu Bremsspuren geführt.
  • In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie waren im Jahresdurchschnitt 2015 insgesamt 490 Betriebe vertreten. Dabei gab es im Jahresverlauf kaum Bewegungen. Ein direkter Vergleich mit den Vorjahreswerten ist derzeit nicht möglich, weil es zum Jahreswechsel 2014/2015 zu einer Umstellung der Statistik kam, infolge derer nunmehr weniger Betriebe dieser Branche zugeordnet werden.

  • Auch mit Blick auf die Anzahl der Beschäftigten ist ein direkter Vergleich mit den vorhergehenden Jahren aufgrund der neuen Branchenabgrenzung derzeit nicht möglich. Auf Basis der Neuzuordnung waren im Jahresdurchschnitt 2015 insgesamt 82.905 Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland beschäftigt. Dabei muss auch bedacht werden, dass im Rahmen der Betriebs-, Beschäftigten- und Umsatzstatistik nur die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten erfasst werden. Die Aktivitäten und Beschäftigungsverhältnisse in den Kleinbetrieben der jeweiligen Wirtschaftsbereiche bleiben somit unberücksichtigt.
  • Mit Blick auf den Jahresverlauf gab es im Jahr 2015 zwei deutlich voneinander abweichende Entwicklungsrichtungen bei der Beschäftigung: Zum einen war vom Jahresanfang bis zum Spätsommer ein nahezu durchgängiger Beschäftigungsaufbau zu beobachten. Von Januar bis September 2015 stieg die Anzahl der Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie um 1.850 Personen oder 2 ¼ Pro-zent. Bis zum Jahresende ging die Beschäftigung jedoch wieder um gut 1.000 Personen zurück. Damit fand im Verlauf des Gesamtjahres – nicht jedoch im Vorjahresvergleich, der wegen der Statistikumstellung nur eingeschränkt möglich ist – ein leichter Beschäftigungsaufbau statt..

  • Im Durchschnitt des Jahres 2015 hatten die Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie ein monatliches Bruttoeinkommen von 3.254 Euro.
  • Ein Vergleich mit den Vorjahreswerten sollte insofern möglich und ökonomisch sinnvoll sein, da durch die Statistikumstellung sowohl die Arbeitsentgelte als auch die Anzahl der Beschäftigten angepasst wurden. Zudem ist der Vergleich nicht durch unterjährige Sonderzahlungen, die wie das Urlaubs- und Weihnachtsgeld nur in bestimmten Quartalen anfallen, verzerrt.
  • Demnach lag die monatliche Bruttolohn- und gehaltssumme je Mitarbeiter im Jahr 2015 um 1,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Dieser Wert fällt etwas schwächer aus als in den beiden vorhergehenden Jahren. Er entspricht zugleich aber auch mehr oder weniger dem langfristigen Einkommensanstieg.
  • Vor dem Hintergrund dieses Anstiegs der Nominaleinkommen konnten die Mitarbeiter der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2015 eine deutliche Verbesserung ihrer kaufkraftmäßigen Einkommensposition realisieren. Die Inflationsrate belief sich im Jahr 2015 auf nur 0,3 Prozent. Im Wesentlichen war diese Entwicklung auf die deutlich gesunkenen Energiepreise zurückzuführen.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 wurden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgte eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank eine Kostenbelastung von 2,5 Prozent für 2014 und eine von 2,8 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent) und wäre noch niedriger, wenn nicht ein statistischer Überhang von 3 Prozent aus dem 2012er Abschluss die kalenderjährliche Rechnung belasten würde. Der Anstieg 2014 fiel niedriger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (3,0 Prozent) aus, der Wert für 2015 liegt allerdings um 0,4 Prozentpunkte darüber.
  • Seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von 2,4 Prozent. Auf Phasen mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum (2006/07, 2010-2012) folgen solche mit stärkerem Anstieg (2008/09, 2013). Seit 2014 liegt der kalenderjährliche Anstieg aber wieder unter 3 Prozent. Dies dürfte auch für das laufende Jahr 2016 gelten. Folgen bis zum Jahresende 2016 keine weiteren Lohnerhöhungen, läge die Belastung nach IW-Berechnungen bei 2,2 Prozent.

  • Die statistischen Schwerpunktverlagerungen, die zum Jahreswechsel 2014/2015 in der Industriestatistik stattfanden, beeinträchtigen auch den Umsatzvergleich mit dem Vorjahr. Aus der Papierverarbeitenden Industrie wurden im Rahmen der Neuklassifikation der Wirtschaftszweige Betriebe in andere Bereiche verlagert.
  • Dies ist auch ein Grund dafür, dass der Umsatz der Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2015 deutlich unter dem Vorjahreswert rangierte. Unter Berücksichtigung dieser statistischen Verzerrung lag der Umsatz um 2,3 Prozent unter dem Wert von 2014.
  • Die Gesamtumsätze der Branche beliefen sich im vergangenen Jahr auf 19,3 Milliarden Euro. Damit wurde im zweiten Jahr in Folge die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro nicht überschritten.
  • Bemerkenswert ist, dass trotz der geringeren Anzahl von statistisch berücksichtigten Unternehmen die Inlandsumsätze mit 13,9 Milliarden Euro nur wenig unter dem Vorjahreswert von 14 Milliarden Euro lagen. Bei den Umsätzen mit Auslandskunden war dagegen ein spürbarer Rückgang von 5,7 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro zu verzeichnen. Dies dürfte nicht nur ein statistischer Artefakt, sondern auch Ausdruck der schwächer tendierenden Weltwirtschaft sein.

  • Im Jahresdurchschnitt 2015 konnte je Mitarbeiter der Papierverarbeitenden Industrie ein monatlicher Umsatz in Höhe von 19.379 Euro erwirtschaftet werden.
  • Dieser Wert lag um 0,6 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Unter der Annahme, dass im Gefolge der Schwerpunkverlagerungen innerhalb der Branchen sowohl Umsätze als auch Beschäftigte adäquat angepasst wurden, sollte dieser Vorjahresvergleich aussagekräftig sein.
  • Der Umsatz je Beschäftigten weist – wie auch der Umsatz insgesamt – im Jahresverlauf 2015 keine erkennbare Entwicklungsrichtung auf. Vielmehr zeigen sich merkliche Schwankungen bei einem Trend, der seit geraumer Zeit mehr oder weniger einer Seitwärtsbewegung entspricht.
  • Mittelfristig hat sich allerdings der bereits seit dem Jahr 2011 zu beobachtende Rückgang bei dieser Leistungskennziffer auch im vorigen Jahr fortgesetzt. Gemessen am bisherigen Höchstwert des Jahres 2011 lag der Umsatz je Beschäftigten im Jahresdurchschnitt 2015 um rund 6 ½ Prozent darunter.

  • Nach einer langen Phase einer mehr oder weniger stabilen Umsatzstruktur in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie war in den letzten Jahren eine deutliche Veränderung zu beobachten. Die Exportquote, gemessen als Anteil der Auslandsumsätze an den Gesamtumsätzen der Branche, belief sich im Jahresdurchschnitt 2015 auf gut 28 Prozent. Das entspricht dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2007. Im Zeitraum 2007 bis 2011 hatten die Auslandsumsätze weitgehend ein Gewicht von rund 30 Prozent.
  • In den letzten beiden Jahren ist die Exportquote zunächst 2014 um 1 ½ Prozentpunkte und im vergangenen Jahr nochmals um 1 Prozentpunkt zurückgegangen. Diese Strukturveränderung ist gleichwohl nicht das Ergebnis eines immer stärker dominierenden Inlandsmarktes. Die Inlandsumsätze lagen im Jahr 2015 auf dem Niveau des Jahres 2013. Vielmehr schlägt sich hier die deutlich schwächere Dynamik der Weltwirtschaft nieder, die letztlich auch die Exporttätigkeit der deutschen Papierverarbeitenden Industrie beeinträchtigt hat. Dabei sind gleichwohl auch die Statistikumstellungen zu berücksichtigen.
  • Trotz des eingeschränkt möglichen Vorjahresvergleichs können offensichtlich die Umsatzrückgänge mit Kunden außerhalb des Euroraums im vergangenen Jahr die Gesamtentwicklung sowie die damit einhergehenden Strukturverschiebungen erklären.

  • Der nur mit Einschränkungen – infolge der statistischen Umstellungen – feststellbare Umsatzrückgang wird von der Produktionsentwicklung in der Papierverarbeitende Industrie untermauert.
  • Die Produktion in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie lag im Jahr 2015 um 0,6 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt 2014.
  • Damit zeigt sich auch bei diesem Indikator ein seit dem Höhepunkt im Jahr 2011 durchgehender Rückgang. Produktion und Umsatz in der Papierverarbeitenden Industrie weisen also in den letzten Jahren die gleiche negative Entwicklung auf. Der Rückgang fiel gleichwohl im vergangenen Jahr nicht mehr so hoch aus wie in den vorhergehenden Jahren. Insgesamt beläuft sich der Produktionsrückgang in dieser Branche seit dem Jahr 2011 auf gut 6 ½ Prozent. Die Wirtschaftsleistung der Papierverarbeitenden Industrie nähert sich somit mehr und mehr dem Niveau des Jahres 2009 an. Der Tiefpunkt des im Schatten der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise stehenden Jahres 2009 wurde mit Blick auf die Produktion im vergangenen Jahr nur noch um knapp 1 Prozent übertroffen.

  • Mit Blick auf die Erzeugerpreise weist die Papierverarbeitende Industrie in Deutschland seit dem Jahr 2011 nahezu die gleiche Entwicklung auf wie das gesamte Verarbeitende Gewerbe.
  • Im Jahr 2015 stiegen die Erzeugerpreise in der Papierverarbeitenden Industrie um gerade einmal 0,1 Prozent an. Seit dem Jahr 2011 ergibt sich insgesamt sogar ein Rückgang in Höhe von 0,1 Prozent. Damit herrscht in der Branche beim Blick auf die Erzeugerpreise eine langanhaltende Preisstabilität.
  • Dies kann zum einen Ausdruck kaum oder überhaupt nicht bestehender Preisüberwälzungsspielräume aufgrund des globalen Wettbewerbs sein. Zum anderen schlägt sich in den Erzeugerpreisen auch die Energiepreisentwicklung nieder. Dabei gilt auch zu bedenken, dass die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten aufgrund der nationalen Rahmenbedingungen im Energiesektor (z.B. EEG-Umlage) nicht vollständig auf die Herstellungskosten durchschlagen kann.
  • Stärkere Schwankungen bei den Erzeugerpreisen sind dagegen in der Papiererzeugenden Industrie zu beobachten. Dies gilt sowohl für den Anstieg im Jahr 2011 als auch für die seitdem zu beobachtenden Rückgänge, die sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt haben.

  • Im Jahr 2015 sind die Lohnstückkosten zum fünften Mal in Folge gestiegen. Im Vergleich zu 2014 ergab sich ein deutlicher Anstieg von 2,4 Prozent. Dies ist die gleiche Steigerungsrate, die sich in den ersten drei Quartalen 2015 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ergeben hatte. Damit war die Lohnstückkostendynamik im Jahr 2015 gleichwohl etwas schwächer als in den Jahren 2012 bis 2014 – damals stiegen die Lohnstückkosten sogar jeweils um mehr als 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.
  • Spiegelbildlich zur Entwicklung der Lohnstückkosten ist die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten bereits im vierten Jahr in Folge rückläufig. Im Jahr 2015 ergab sich ein Rückgang von mehr als 1 Prozent. Aufgrund des leich-ten Rückgangs der geleisteten Arbeitszeit ist die Produktivität je Stunde minimal um 0,2 Prozent gestiegen. In den Jahren 2012 bis 2014 war auch die Produktivität je Stunde gesunken. Gleichgültig ob je Stunde oder je Beschäftigten betrachtet ist die Produktivität in den letzten vier Jahren also jeweils gesunken oder hat allenfalls stagniert.
  • Mit dem erneuten deutlichen Anstieg im Jahr 2015 liegt das Lohnstückkostenniveau inzwischen um 15 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2007. Die Produktivität war im Jahr 2015 nur um 1 Prozent höher als 2007.

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