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01.06.2016

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe Juni 2016

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, Juni 2016

Vorbemerkung:

In der deutschen Papierverarbeitenden Industrie zeigte sich im ersten Quartal 2016 ein gemischtes Bild: Einerseits stiegen im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum die Umsätze spürbar und die Beschäftigung leicht an. Andererseits setzte sich der Rückgang bei der Inlandsproduktion weiter fort, wenngleich nicht mehr so stark. Diese unterschiedliche Entwicklung liegt zum Teil auch an den leicht ansteigenden Preisen.

  • Die deutsche Wirtschaft ist relativ gut in das Jahr 2016 gestartet. Die nochmals gesunkenen Energiepreise haben den privaten Konsum weiterhin belebt. Dieser wird auch von den anhaltend niedrigen Zinsen begünstigt. Der Staatsverbrauch hat infolge der zuwanderungsbedingten Ausgaben ebenfalls stark zur wirtschaftlichen Dynamik beigetragen. Dagegen dämpft die weltwirtschaftliche Abkühlung sowie die ihr zugrundeliegenden Verunsicherungen, vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften, die deutsche Exporttätigkeit. Gleichwohl legten die In-vestitionen deutlich zu. Bei den Bauinvestitionen wirkten sich die niedrigen Zinsen und die staatlichen Baumaßnahmen infolge der Flüchtlingszuwanderung aus. Auch die Ausrüstungsinvestitionen haben ihren Erholungskurs fortgesetzt. Alles in allem bleiben die Wachstumsaussichten für Deutschland aber überschaubar.
  • Diese moderate gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zeigt sich auch beim Blick auf die Angebotsseite der deutschen Papierverarbeitenden Industrie. Im ersten Quartal 2016 wurden im Durchschnitt 488 Betriebe registriert. Dabei gilt zu beachten, dass in der zugrundeliegenden Statistik nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten berücksichtigt werden. Gegenüber dem ersten Quartal 2015 ist ein Rückgang von einem Betrieb, im Vergleich mit dem Jahresdurchschnitt 2015 in Höhe von 2 Betrieben zu verzeichnen.

  • In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 waren in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland im Durchschnitt knapp 82.500 Personen beschäftigt. Wie bei der Anzahl der Betriebe werden auch hier nur die Mitarbeiter in jenen Betrieben erfasst, die mehr als 50 Beschäftigte aufweisen. Die Anzahl der Mitarbeiter fällt im Vergleich mit den Jahren vor 2015 deutlich niedriger aus. Dies liegt daran, dass es zum Jahreswechsel 2014/2015 zu einer Umstellung der Statistik kam. Dabei wurden Betriebe und deren Mitarbeiter anderen Branchen zugeord-net.
  • Der Vergleich des ersten Quartals 2016 mit dem Gesamtjahr 2015 und den jeweiligen Quartalen 2015 ist durch diese Statistikumstellung nicht beeinträchtigt. Demnach waren in den ersten drei Monaten 2016 insgesamt knapp 300 Perso-nen oder 0,3 Prozent mehr in der Papierverarbeitenden Industrie beschäftigt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Jahresdurchschnitt 2015 wurde im ersten Quartal 2016 allerdings deutlich unterschritten. Dies erklärt sich mit der gegenläufigen Beschäftigungsentwicklung in dieser Branche im vergangenen Jahr: während vom Januar bis August ein kontinuierlicher und merklicher Beschäftigungsaufbau stattfand, war danach bis einschließlich Januar 2016 ein fast ebenso starker Beschäftigungsrückgang zu verzeichnen. Erst im Februar und März 2016 stieg die Beschäftigung wieder an.

  • Im ersten Quartal 2016 beliefen sich die monatlichen Bruttolöhne und Bruttogehälter je Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf durchschnittlich 3.161 Euro. Damit wurde das Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals um 0,8 Prozent übertroffen. Der anhaltende Einkommensanstieg in dieser Branche setzt sich somit auch in diesem Jahr fort.
  • Beim Vergleich der Quartalseinkommen mit den Jahresdurchschnitten ist zu beachten, dass in den Jahreswerten eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld – berücksichtigt wird, die erst in späteren Quartalen anfallen. Dementsprechend unterschreitet das Durchschnittseinkommen im ersten Quartal 2016 den Jahresdurchschnittswert von 2015 in Höhe von 3.254 Euro.
  • Aufgrund der geringen Inflation in den ersten drei Monaten dieses Jahres – die Inflationsrate belief sich auf nur knapp 0,3 Prozent – entspricht der nominale Einkommensanstieg einer merklichen Kaufkraftverbesserung der Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 wurden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgte eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank eine Kostenbelastung von 2,5 Prozent für 2014 und eine von 2,8 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent). Der Anstieg 2014 fiel niedriger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (3,0 Prozent) aus, der Wert für 2015 liegt allerdings um 0,4 Prozentpunkte darüber.
  • Seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von 2,4 Prozent. Auf Phasen mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum (2006/07, 2010-2012) folgen solche mit stärkerem Anstieg (2008/09, 2013). Seit 2014 liegt der kalenderjährliche Anstieg aber wieder unter 3 Prozent. Dies dürfte auch für das laufende Jahr 2016 gelten. Folgen bis zum Jahresende 2016 keine weiteren Lohnerhöhungen, läge die Belastung nach IW-Berechnungen bei 2,2 Prozent.

  • Nach den Umsatzrückgängen in den letzten Jahren konnten die Unternehmen der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland im ersten Vierteljahr 2016 wieder einen spürbaren Umsatzzuwachs realisieren. Der Gesamtumsatz belief sich auf 4,85 Milliarden Euro, er übertraf damit den Wert vom ersten Vierteljahr 2015 um 1,8 Prozent.
  • Seit dem letzten Umsatzrekord im Jahr 2011 war von Jahr zu Jahr ein Rückgang zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr wurde schließlich ein Gesamtumsatz von 19,3 Milliarden Euro erzielt. Dieser lag um 1,8 Milliarden unter dem Spitzenwert von 2011. Nach diesem mit Blick auf die mittelfristige Entwicklung vergleichsweise guten Start in das Jahr 2016 besteht die Chance, dass im Gesamtjahr 2016 ein weiterer Umsatzrückgang zumindest vermieden werden kann.
  • Die Verbesserung beim Umsatz in den ersten drei Monaten dieses Jahres zeigt sich sowohl beim Inlands- als auch beim Auslandsumsatz. Die Geschäfte mit Kunden aus dem Inland legten gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 2 Prozent zu. Beim Auslandsumsatz konnte die Papierverarbeitende Industrie ein Plus in Höhe von 1,3 Prozent realisieren. Im Gesamtjahr 2015 waren dagegen beide Umsatzbereiche deutlich zurückgegangen.

  • Der Umsatzanstieg in der Papierverarbeitenden Industrie in den ersten drei Monaten dieses Jahres in Höhe von 1,8 Prozent führte auch dazu, dass sich der Umsatz je Mitarbeiter deutlich gesteigert hat. Der entsprechende Vorjahreswert bei dieser Leistungskennziffer wurde im Anfangsquartal 2016 – wegen der gleichzeitig ansteigenden Beschäftigung in Höhe von 0,3 Prozent – um 1,5 Prozent übertroffen.
  • Je Mitarbeiter wurde im Durchschnitt des ersten Quartals 2016 ein monatlicher Umsatz in Höhe von 19.585 Euro erwirtschaftet. Dieser Wert ist auch mit den Jahreswerten vor 2015 vergleichbar, da unterstellt werden kann, dass im Gefolge der statistischen Schwerpunkverlagerungen sowohl die Umsätze als auch die Anzahl der Beschäftigten gleichmäßig angepasst wurden.
  • Im mittelfristigen Vergleich zeigt sich aber auch, dass die gegenwärtige Umsatzperformance je Mitarbeiter zum Teil noch deutlich unter den Niveaus der Jahre 2010 bis 2013 liegt. Der Rekordwert von 2011 wird auch derzeit noch um knapp 1.200 Euro beziehungsweise um fast 6 Prozent unterschritten.

  • Die Exportquote in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie hat sich zuletzt wieder – auf einem im mittelfristigen Vergleich – niedrigeren Niveau stabilisiert. Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz belief sich in den ersten drei Monaten 2016 auf gut 28 Prozent. Das entspricht dem Durchschnittswert des Jahres 2015 und gleichzeitig dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2007.
  • Nachdem die Exportquote in dieser Branche über eine lange Zeit bei rund 30 Prozent lag, kam es infolge der stärkeren Rückgänge der Auslandsumsätze – im Vergleich zum Inlandsumsatz – in den letzten beiden Jahren zu einem geringeren Gewicht der Auslandsaktivitäten im Umsatzgefüge der Papierverarbeitung.
  • Im ersten Quartal 2016 sorgten der gleichzeitige Anstieg der Inlands- und der Auslandsumsätze für das stabile Umsatzgefüge. Gegenüber Dezember 2015 – und damit im Verlauf des ersten Quartals 2016 – konnte im gesamten Ausland-geschäft eine Verbesserung beobachtet werden. Im Vorjahresvergleich zeigt sich allerdings eine unterschiedliche Entwicklung: während mit den Kunden aus dem Euroraum im ersten Quartal 2016 ein spürbarer Umsatzrückgang in Höhe von 2,1 Prozent verbucht werden musste, konnte gleichzeitig im Auslandsgeschäft mit Kunden außerhalb des Euroraums eine erhebliche Verbesserung realisiert werden. Die Umsätze vom 1. Quartal 2015 wurden dabei um 8,3 Prozent übertroffen.

  • Die Umsatzverbesserung, die in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im ersten Quartal 2016 erzielt werden konnte, zeigt sich allerdings nicht beim Blick auf die heimische Produktion. Hier hält der seit dem Jahr 2011 zu beobachtende Produktionsrückgang weiterhin an. Damit liegt das Produktionsniveau der Branche derzeit um über 7 Prozent unter dem Höchstwert von 2011 und die Produktion nähert sich weiter, wenngleich abgeschwächt, dem Tiefpunkt von 2009 während der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise an.
  • Im ersten Quartal 2016 lag die Produktion in der Papierverarbeitung um 0,9 Pro-zent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahresquartals. Der Jahresdurchschnitt 2015 wurde um 0,6 Prozent unterschritten.
  • Für die divergierende Entwicklung von Produktion und Umsatz kommen mehrere Gründe in Betracht: In der Umsatzentwicklung schlägt sich die Preisentwicklung nieder. Die zuletzt leicht ansteigenden Preise in dieser Branche führen zu einer besseren Umsatz- als Produktionsentwicklung. Außerdem kann ein Teil des Unterschiedes zwischen Umsatz- und Produktionsentwicklung aus der Lagertätigkeit und aus branchenfremder Produktion resultieren.

  • Die Preisentwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie wich zuletzt ganz leicht von der Entwicklung in der gesamten Industrie (ohne Berücksichtigung der Energieerzeugenden Industrie) ab. Im ersten Quartal 2016 lagen die Erzeugerpreise in der Papierverarbeitenden Industrie um 1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresquartal und um 0,6 Prozent über dem Jahresdurchschnitt 2015. Dagegen gaben die Erzeugerpreise in der gesamten Industrie (ohne Energie) um 0,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2015 nach.
  • In der mittelfristigen Perspektive weisen die Erzeugerpreise in der Papierverarbeitenden Industrie und im Verarbeitenden Gewerbe allerdings mehr oder weniger die gleiche Entwicklung auf. Seit dem Jahr 2011 kann von Preisstabilität gesprochen werden. Dafür kommen wiederum mehrere Gründe in Betracht: Der globale Wettbewerb begrenzt Preisüberwälzungsspielräume. Die über eine gewisse Zeit rückläufigen Energiepreise wirken preisdämpfend. Gleichwohl schlagen die niedrigeren Rohstoffpreise aufgrund der nationalen Rahmenbedingungen im Energiesektor (z.B. EEG-Umlage) nicht vollständig auf die Herstellungskosten durch.
  • Auch in der Papiererzeugenden Industrie stiegen die Erzeugerpreise zuletzt an, und zwar um 1,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2015. Mittelfristig zeigten sich hier erheblich höhere Schwankungen.

  • Zwischen 2010 und 2015 sind die Lohnstückkosten jedes Jahr – also fünfmal in Folge – gestiegen. Auch im ersten Quartal 2016 hat sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal wieder ein Anstieg ergeben. Mit 0,9 Prozent fällt dieser aber bisher schwächer aus als in den Vorjahren. Eine leichte Abschwächung der Lohnstückkostendynamik hatte sich bereits im Jahr 2015 gezeigt. Da die Spielräume für Preisüberwälzungen aber sehr eng sind, bedeuten selbst kleine Anstiege der Lohnstückkosten eine Kostenbelastung.
  • Auch die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten ist im ersten Quartal 2016 gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2015 nicht gestie-gen, sondern minimal gesunken (Rückgang 0,1 Prozent). Die Produktivitätsentwicklung verläuft weitgehend spiegelbildlich zu den Lohnstückkosten und ist seit 2011 rückläufig. Je Stunde gerechnet ist die Produktivität im ersten Vierteljahr 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um 0,9 Prozent gesunken.
  • Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 erhöht sich das Lohnstückkostenniveau immer weiter. Bereits im Jahr 2015 lag es um fast 15 Prozent höher als 2007. Setzt sich die Anstiegsdynamik gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Verlauf des Jahres 2016 im gleichen Tempo wie im ersten Quartal fort, werden die Lohnstückkosten 2016 um 16 Prozent höher ausfallen als im Jahr vor der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise.

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