Branchendaten

04.07.2017

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Köln Berlin / Köln, April 2017

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Vorbemerkung:

Aufgrund einer statistischen Schwerpunktverlagerung wurde ab Januar 2015 eine Reihe von Betrieben einem anderen Wirtschaftszweig (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen ab Januar 2015 gewisse Veränderungen.

  • Die deutsche Wirtschaft ist gut in das Jahr 2017 gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im ersten Quartal 2017 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,6 Prozent höher als im vierten Quartal 2016. Vor allem die Inlandskonjunktur hat für kräftige Wachstumsimpulse gesorgt. Hinter der guten Konsumkonjunktur steht die anhaltend positive Arbeitsmarktentwicklung. Gegenüber März 2016 nahm die Zahl der Erwerbstätigen bis zum März 2017 um 641.000 Personen oder 1,5 Prozent zu.
  • Im Durchschnitt der ersten drei Monate des Jahres 2017 gab es in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie 487 Betriebe. Das entspricht nahezu dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist jedoch durch die Schwerpunktverlagerung von Betrieben zum Jahresbeginn 2017 (siehe Vorbemerkung) nur eingeschränkt möglich, da die amtliche Statistik den Effekt der Schwerpunktverlagerung auf die Anzahl der Betriebe nicht ausweist.
  • Außerdem ist zu berücksichtigen, dass in dieser Statistik nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigen erfasst werden.

  • Die Anzahl der Beschäftigten belief sich in den ersten drei Monaten des Jahres 2017 in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie auf durchschnittlich 84.562 Personen. Damit verzeichnet die Branche gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum einen Beschäftigungszuwachs in Höhe von knapp 2.100 Personen oder 2,5 Prozent.

  • Dieser Vorjahresvergleich ist jedoch wegen der Schwerpunktverlagerung von Betrieben zum Januar 2017 nur eingeschränkt möglich. Auf Basis von Informationen des Statistischen Bundesamtes wurden infolge dieser Statistikrevision im Bereich Herstellung von Waren aus Papier, Karton und Pappe knapp 1.300 Personen gegenüber dem Dezember 2016 hinzugefügt. Das entspricht einem Statistik bedingtem Beschäftigungszuwachs in Höhe von 1,6 Prozent.
  • Zieht man diesen Effekt ab, ergibt sich ein (bereinigtes) Beschäftigungsplus von 800 Personen. Das entspricht einem Zuwachs von 0,9 Prozent.
  • Auch der langfristige Vergleich der Beschäftigtendaten ist aufgrund der Schwerpunktverlagerung nur mit gewissen Einschränkungen möglich.

  • Im Durchschnitt des ersten Quartals 2017 lag der Bruttolohn – beziehungsweise das Bruttogehalt – je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie bei monatlich 3.204 Euro.
  • Bei dieser Kennziffer ist ein langfristiger Vergleich erlaubt, da infolge der statisti-schen Umstellung zum Jahresbeginn 2017 sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch die gesamte Einkommenssumme der Branche angepasst wurde.
  • Allerdings ist ein Vergleich der Quartalseinkommen mit den Jahresdurchschnitten nicht aussagekräftig, weil in den Jahreswerten eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld – enthalten sind. Diese fallen in der Regel erst in späteren Quartalen an. Folglich unterschreitet das Durch-schnittseinkommen im ersten Quartal 2017 den Jahresdurchschnittswert von 2016.
  • Im Vergleich mit dem ersten Quartal 2016 stieg das Pro-Kopf-Einkommen in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 1,7 Prozent an. Da gleichzeitig die Inflation auf 1,9 Prozent anzog, gaben die Realeinkommen leicht nach. Dagegen gab es im Jahr 2016 aufgrund der rückläufigen Energiepreise und der niedrigen Inflationsrate von nur 0,5 Prozent ein deutliches Realeinkommensplus in Höhe von 1,3 Prozent.

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  • Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten (bis zum 31. Oktober 2018). Der Abschluss sieht für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgt eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent für 2017 (nach 2,0 Prozent für 2016, die sich aus den Berechnungen der Deutschen Bun-desbank ergeben). Sie wird nach IW-Berechnungen 2018 mit rund 1,6 Prozent geringer als 2017 ausfallen, weil die Tarifentgelte erst zum 1. April 2018 ansteigen. In der kalenderjährlichen Betrachtung führen die Monate Januar bis März 2018 zu keinem Kostenanstieg. Der Anstieg in der Papier- und Pappeverarbeitung 2017 entspricht der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik (2,1 Prozent). 2018 dürfte sie darunter liegen.
  • Seit dem Jahr 2010 (Basisjahr) sind die Tarifentgelte in der Papierverarbeitenden Industrie bis einschließlich 2016 um insgesamt 15,8 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jahresdurchschnittlichen Tariflohnwachstum in Höhe von 2,6 Pro-zent.

  • Die Schwerpunktverlagerung zum Januar 2017 blieb nicht ohne Auswirkungen auf den gemessenen Umsatz in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie. Dieser fällt nun höher aus. Er betrug in den ersten drei Monaten dieses Jahres insgesamt 5,1 Milliarden Euro.
  • Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gab es im ersten Quartal 2017 einen Anstieg in Höhe von 5,3 Prozent. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass allein die Umbuchung von Unternehmen beim Übergang Dezember 2016 zu Januar 2017 mit einem Umsatzplus von 4,1 Prozent in der Branche einherging. Obwohl eine direkte Vergleichbarkeit der Monatswerte gegenüber dem Vorjahr nicht möglich ist, dürfte insgesamt im ersten Quartal 2017 eine Umsatzsteigerung erzielt worden sein.
  • Damit hat sich im bisherigen Jahresverlauf 2017 der Erholungstrend aus dem vergangenen Jahr fortgesetzt. Im Jahr 2016 wurde erstmals seit dem Jahr 2011 wieder ein Umsatzplus realisiert, nachdem der Gesamtumsatz der deutschen Papierverarbeitenden Industrie in den letzten Jahren anhaltend rückläufig war.
  • In den ersten drei Monaten des Jahres kamen die stärksten Umsatzimpulse aus dem Inland. Mit 6,4 Prozent legte der Inlandsumsatz erheblich stärker zu als der Auslandsumsatz mit 2,6 Prozent. Dieser Vorjahresvergleich ist jedoch wegen der Schwerpunktverlagerung nur eingeschränkt aussagekräftig.

  • Der monatliche Umsatz je Mitarbeiter lag im ersten Vierteljahr 2017 in der Papierverarbeitenden Industrie bei 20.115 Euro.
  • Beim Vergleich mit den vorhergehenden Jahren sind wieder die Effekte der Statistikumstellung 2017 zu berücksichtigen. Ob die Umsatz- und die Beschäftigungszahlen mehr oder weniger gleichmäßig revidiert wurden, lässt sich aus den Informationen zur Schwerpunktverlagerung nicht verlässlich ableiten.
  • Vor dem Hintergrund dieser Information ist das Plus bei dieser Leistungskennziffer gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2016 in Höhe von 2,8 Prozent vorsichtig optimistisch zu bewerten. Dieser Anstieg fällt deutlich höher aus als jener im Gesamtjahr 2016. Im vorigen Jahr konnte die Papierverarbeitende Industrie ihren Umsatz je Mitarbeiter um 1 Prozent steigern. Das war die erste Verbesserung seit dem Jahr 2011.
  • Wenn sich die bisherige Entwicklung im gesamten Jahr 2017 verstetigen sollte, dann dürfte die Phase rückläufiger Umsätze je Mitarbeiter, die von 2011 bis 2015 zu beobachten war, überwunden sein.

  • In den ersten drei Monaten des Jahres 2017 ist die Exportquote der deutschen Papierverarbeitenden Industrie wieder deutlich zurückgegangen. Der Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz belief sich in dieser Zeit auf 27,3 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2005.
  • Nach dem leichten Anstieg der Exportquote im Jahr 2016 setzte sich somit der seit dem Jahr 2013 zu beobachtende leichte Wandel bei der Umsatzstruktur fort. Im Zeitraum 2007 bis 2013 entfielen rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes auf das Ausland. In den davor liegenden Jahren stieg die Exportquote von 20 auf 28 Prozent an.
  • Die zuletzt wieder sinkende Exportquote ist mit den im Vergleich zum Auslandsge-schäft merklich stärker ansteigenden Inlandsumsätzen zu begründen. Der Vorjahresvergleich ist jedoch wegen der Schwerpunktverlagerungen eingeschränkt. Gleichwohl zeigt sich auf dieser Basis eine merklich unterschiedliche Dynamik: Während die Inlandsumsätze um 6,4 Prozent zulegten, gab es bei den Auslandsumsätzen im ersten Quartal 2017 ein Plus in Höhe von 2,6 Prozent.
  • Unter Berücksichtigung der begrenzten Vergleichsmöglichkeit ist ausschließlich das Geschäft mit Kunden außerhalb des Euroraums für die nachlassende Bedeutung des Auslandsumsatzes verantwortlich. Während die Umsätze mit Kunden aus dem Euroraum im ersten Quartal 2017 um 6,1 Prozent anstiegen, gingen die Geschäfte außerhalb des Euroraums um 3,8 Prozent zurück.

  • Der Produktionsindex wird nicht auf Basis der Betriebe, sondern auf der Grundlage der fachlichen Betriebsteile berechnet. Daher wirkt sich die Schwerpunktverlagerung hier kaum auf intertemporale Vergleiche aus.
  • Die deutsche Papierverarbeitende Industrie ist gut in das Jahr 2017 gestartet. Die Produktion der Branche stieg relativ kräftig an. Ob es sich dabei um eine anhaltende Trendwende handelt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
  • Gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2016 konnte die Papierverarbeitende Industrie ein Produktionsplus in Höhe von 3 Prozent realisieren.
  • Damit wurde der Produktionsrückgang der Branche, der sich durchgehend seit dem Jahr 2011 gezeigt hatte, zunächst einmal gestoppt. Im vergangenen Jahr wurde die Produktion des Jahres 2011 noch um 7,4 Prozent unterschritten.
  • Die Erholung bei den Umsätzen, die gleichwohl infolge der Statistikumstellung nicht genau quantifiziert werden kann, geht also mit dem aktuellen Produktionsauftrieb einher. Damit signalisieren beide Leistungsindikatoren eine wirtschaftliche Verbesserung. Die leicht rückläufige Preisentwicklung in der Branche dürfte zuletzt dazu beigetragen haben, dass der Anstieg der nominalen Umsätze leicht hinter der Produktionsdynamik zurückblieb.

  • Die Erzeugerpreise der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland waren in den ersten drei Monaten des Jahres 2017 leicht rückläufig. Der entsprechende Vorjahreswert wurde um 0,3 Prozent unterschritten. Damit wurde der leichte Preisauf-trieb vom vergangenen Jahr wieder etwas korrigiert. Im Jahr 2016 stiegen die Erzeugerpreise der Branche erstmals seit dem Jahr 2011 wieder an, und zwar um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz der leichten Bewegungen in letzter Zeit stag-nieren die Preise der Papierverarbeitenden Industrie seit nunmehr sechs Jahren.
  • In der Papiererzeugenden Industrie gaben die Erzeugerpreise im ersten Vierteljahr 2017 deutlich stärker nach. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gab es ein Minus in Höhe von 1,6 Prozent. Damit sind die Preise – mit Ausnahme des vorigen Jahres – seit 2011 rückläufig.
  • Damit hat sich die Preisentwicklung in der Papiererzeugung und der Papierverarbeitung zuletzt von jener in der Gesamtindustrie (ohne Energie) abgekoppelt. Hier stiegen die Erzeugerpreise in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.

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