Branchendaten

17.05.2017

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Köln Berlin / Köln, April 2017

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Vorbemerkung:

Aufgrund einer statistischen Schwerpunktverlagerung wurde ab Januar 2015 eine Reihe von Betrieben einem anderen Wirtschaftszweig (Abteilung, Gruppe, Klasse der WZ 2008) zugeordnet. Bei den Daten für Betriebe ergeben sich hierdurch in den Wirtschaftszweigen ab Januar 2015 gewisse Veränderungen.

  • Die Anzahl der Betriebe in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie – wobei die Statistik nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigen erfasst – ging im Jahr 2016 zurück. Im Jahresdurchschnitt gab es 486 Firmen – vier weniger als im Vorjahr. Der Vergleich mit den vorhergehenden Jahren ist wegen einer Statistikumstellung zum Jahr 2015 eingeschränkt.

  • Die etwas niedrigere Anzahl an Betrieben hat sich im vergangenen Jahr nur in geringem Ausmaß auf die Anzahl der Beschäftigten in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie ausgewirkt.

  • Im Jahresdurchschnitt 2016 waren in der Branche knapp 82.800 Personen beschäftigt. Dabei werden ebenfalls nur die Beschäftigten in Betrieben erfasst, die mehr als 50 Mitarbeiter haben. Ein direkter Vergleich mit den Jahren vor 2015 ist wegen der statistischen Schwerpunktverlagerungen zum Januar 2015 nicht möglich.
  • Im Jahr 2016 gab die Beschäftigung in der Papierverarbeitenden Industrie im Vergleich zum Vorjahr um 122 Personen oder um 0,1 Prozent nach. Dabei ist hervorzuheben, dass im Jahresverlauf 2016, trotz Schwankungen, Beschäftigung aufgebaut wurde. Im Januar 2016 lag die Anzahl der Mitarbeiter bei 82.162, im Dezem-ber 2016 bei 82.946. Anfang 2017 erhöhte sich die Anzahl auf 84.345 Personen

  • Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Bruttolohn oder das Bruttogehalt je Mitarbei-ter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie bei 3.312 Euro im Monat. Dabei sind im Vergleich mit den Quartalswerten alle Sonderzahlungen berücksichtigt. Auch ein langfristiger Vergleich dieses Indikators ist möglich, da infolge der statistischen Umstellungen sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch die gesamte Einkommenssumme der Branche angepasst wurde.

  • Im Vergleich mit dem Vorjahr stieg das Pro-Kopf-Einkommen in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Jahr 2016 um 1,8 Prozent an. Das liegt merklich über dem Durchschnitt von 1,3 Prozent der vergangenen Dekade (Zeitraum 2005-2015).
  • Vor allem kam es im letzten Jahr wegen der geringen Inflation zu einem deutlichen Anstieg der Realeinkommen. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahr 2016 nur um 0,5 Prozent an. Dies erklärt sich im Wesentlichen aus der rückläufigen Energie-preisentwicklung im ersten Halbjahr 2016. Insgesamt konnte ein Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie im vergangenen Jahr einen Realeinkommenszuwachs oder Kaufkraftgewinn in Höhe von rund 1,3 Prozent realisieren.

  • Im Januar 2017 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten (bis zum 31. Oktober 2018). Der Abschluss sieht für die Monate November und Dezember 2016 keine Anhebung der Tabellenwerte vor (Nullmonate). Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent angehoben, am 1. April 2018 folgt eine weitere Anhebung um 2,1 Prozent.

  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) eine Kostenbelastung von 2,1 Prozent für 2017 (nach 2,0 Prozent für 2016, die sich aus den Berechnungen der Deutschen Bun-desbank ergeben). Sie wird nach IW-Berechnungen 2018 mit rund 1,6 Prozent geringer als 2017 ausfallen, weil die Tarifentgelte erst zum 1. April 2018 ansteigen. In der kalenderjährlichen Betrachtung führen die Monate Januar bis März 2018 zu keinem Kostenanstieg. Der Anstieg in der Papier- und Pappeverarbeitung 2017 entspricht der gesamtwirtschaftlichen Tariflohndynamik (2,1 Prozent). 2018 dürfte sie darunter liegen.
  • Seit dem Jahr 2010 (Basisjahr) sind die Tarifentgelte in der Papierverarbeitenden Industrie bis einschließlich 2016 um insgesamt 15,8 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jahresdurchschnittlichen Tariflohnwachstum in Höhe von 2,6 Prozent.

  • Der Gesamtumsatz in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie belief sich im Jahr 2016 auf 19,4 Milliarden Euro. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Ver-besserung in Höhe von 155 Millionen Euro oder einem Zuwachs von 0,8 Prozent.

  • Damit wurde erstmals seit dem Jahr 2011 ein Umsatzplus realisiert. In den vorhergehenden Jahren war der Gesamtumsatz der Branche durchgehend rückläufig. Das Rekordniveau des Jahres 2011 wurde gleichwohl im vergangenen Jahr noch um 1,7 Milliarden Euro unterschritten, das entspricht einem Rückgang von rund 8 Prozent.
  • Der Inlandsumsatz der Papierverarbeitenden Industrie konnte im vergangenen Jahr leicht das Niveau des Vorjahres übertreffen – um knapp 76 Millionen Euro oder um 0,5 Prozent. Mit Blick auf die letzten Jahre lagen die Inlandsverkäufe meistens rela-tiv stabil bei rund 13,9 Milliarden Euro. Der Langfristvergleich zeigt, dass nur das Rekordjahr 2011 eine starke Abweichung nach oben darstellt.
  • Der Auslandsumsatz konnte im Jahr 2016 ebenfalls leicht um gut 79 Millionen Euro gesteigert werden. Das entspricht wegen der geringeren Basis einem Plus von 1,5 Prozent. Im mittelfristigen Vergleich lag der Auslandsumsatz im Jahr 2016 in Höhe von 5,5 Milliarden Euro weiterhin auf einem eher niedrigen Niveau.

  • Im Jahr 2016 lag der monatliche Umsatz je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie bei 19.563 Euro. Der Vergleich mit den vorhergehenden Jahren ist möglich, da durch die Statistikumstellung zum Jahr 2015 sowohl die Umsatz- als auch die Beschäftigungszahlen revidiert wurden.

  • Das Vorjahresergebnis beim Umsatz je Beschäftigten konnte im Jahr 2016 um 1 Prozent übertroffen werden. Während der Gesamtumsatz der Branche um gut 0,8 Prozent zulegte, war bei der Beschäftigung ein leichter Rückgang von rund 0,1 Pro-zent zu verzeichnen.
  • Somit konnte im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2011 wieder ein Zu-wachs bei dieser Leistungskennziffer realisiert werden. Der Umsatz je Mitarbeiter übertraf die Werte der beiden vorhergehenden Jahre. Gleichwohl werden die vergleichsweise hohen Volumina der Jahre 2010 bis 2012 deutlich unterschritten – so lag zum Beispiel der letztjährige Umsatz je Mitarbeiter um 1.180 Euro pro Monat unter dem Rekordwert des Jahres 2011, das entspricht knapp 6 Prozent.

  • Im Jahr 2016 lag die Exportquote der deutschen Papierverarbeitenden Industrie bei durchschnittlich 28,3 Prozent. Nach den Rückgängen in den beiden vorhergehen-den Jahren hat die Bedeutung des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz der Branche wieder etwas zugelegt.

  • Die Exportquote lag im vergangenen Jahr auf dem Niveau des Jahres 2006. Im Zeitraum 2007 bis 2013 lag das Auslandsgeschäft dagegen nahezu stetig auf einem Niveau von rund 30 Prozent am Gesamtumsatz. In den vorhergehenden Jahren war eine rasante Internationalisierung des Branchenumsatzes zu verzeichnen und die Exportquote stieg von knapp 20 Prozent auf knapp 30 Prozent an.
  • Die leichte Erholung der Exportquote im Jahr 2016 lag daran, dass die Auslandsumsätze etwas stärker anstiegen als die Inlandsumsätze: Während das Inlandsgeschäft um 0,5 Prozent zulegte, gab es im Auslandsgeschäft einen Zuwachs von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf beiden Märkten war also im letzten Jahr eine Verbesserung zu verzeichnen.
  • Die Verbesserung zeigte sich sowohl auf dem europäischen Markt als auch im Geschäft mit den Kunden außerhalb des Euroraums. Gleichwohl waren die Zuwächse außerhalb des Euroraums mit einem Plus in Höhe von 3,5 Prozent erheblich höher als das Plus mit dem Euroraum in Höhe von 0,4 Prozent. Mit 36 Milliarden Euro entfielen knapp 19 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche auf den Euroraum.

  • Der Produktionsrückgang in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Die Produktion der Branche lag um 0,8 Pro-zent unter dem Vorjahreswert. Mit Blick auf das vierte Quartal 2016 wurde das entsprechende Vorjahresniveau sogar um 1,8 Prozent verfehlt.

  • Die Branche erfährt nunmehr seit dem Jahr 2011 einen anhaltenden Rückgang bei ihrer Produktion. Die Produktion des Jahres 2011 wurde im vergangenen Jahr auf Basis des Produktionsindex um 7,4 Prozent unterschritten.
  • Die Rückgänge fielen in den vergangenen beiden Jahren allerdings merklich schwächer aus als in einigen Vorjahren. Vor allem im Jahr 2014 war mit -2,9 Prozent ein starker Produktionseinbruch zu verkraften.
  • Die leichte Erholung bei den Umsätzen der Papierverarbeitenden Industrie war somit im Jahr 2016 bei der Produktion nicht zu beobachten. Dafür kommen zumindest zwei Argumente in Betracht: Zum einen resultierten die Umsatzzuwächse auch aus den leichten Preisanstiegen im Jahr 2016. Zum anderen können Umsatzzuwächse auch aus Vorräten (Produktion in einer vorhergehenden Periode) oder aus branchenfremden Vorleistungen stammen.

  • In der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland kam es im Jahr 2016 zu einem leichten Preisauftrieb. Die Erzeugerpreise der Branche stiegen gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent an. Dies war der erste nennenswerte Preisanstieg seit dem Jahr 2011. Seitdem war in dieser Branche mehr oder weniger ein Preisstillstand zu verzeichnen.

  • In der Papiererzeugenden Industrie stiegen die Erzeugerpreise im vergangenen Jahr ebenfalls um 0,7 Prozent an. In dieser Branche waren die Preise allerdings seit dem Jahr 2011 permanent rückläufig. Im Jahr 2016 lag der Erzeugerpreisindex immer noch um 6,2 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2011. Die Erzeugerpreise in der gesamten Industrie waren im Vergleich zur Papiererzeugenden und Papierver-arbeitenden Industrie im Jahr 2016 noch leicht rückläufig.
  • Für die Entwicklung auf der Ebene der Papiererzeugung als auch der Papierverarbeitung sind neben der internationalen Wettbewerbslage vor allem die Rohstoff- und Energiepreise von hoher Bedeutung. Bei den Energiepreisen schlagen sich die deutschen Rahmenbedingungen im Energiesektor (z.B. EEG-Umlage) deutlich nieder.

  • Im Jahr 2016 sind die Lohnstückkosten in der Papierverarbeitenden Industrie um 3,1 Prozent gestiegen. Damit sind in den letzten fünf Jahren die Lohnstückkosten viermal um gut 3 Prozent gestiegen. Lediglich im Jahr 2015 fiel die Zuwachsrate mit 2,4 Prozent etwas niedriger aus. Da die Lohnstückkosten auch von 2010 auf 2011 zulegten, ergibt sich somit das sechste Jahr in Folge – und damit seit Überwindung der globalen Wirtschaftskrise ununterbrochen – ein Anstieg der Lohnstückkosten.

  • Fast spiegelbildlich hierzu ist die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten 2016 das fünfte Jahr in Folge gesunken. Im Jahr 2016 ging die Produktivität um 1,3 Prozent zurück – ein ähnlich hoher Wert wie in den beiden Jahren zuvor. Auf Stundenbasis gerechnet stieg die Produktivität im Jahr 2015 mit 0,3 Prozent noch marginal an, nachdem sie zuvor drei Jahre hintereinander gesunken war. Hieraus hat sich indes kein positiver Trend entwickelt. Denn im Jahr 2016 sank die Produktivität auch auf die Beschäftigtenstunde gerechnet wieder (Rückgang um 1,0 Prozent).
  • Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 lag das Lohnstückkostenniveau im Jahr 2016 um mehr als 18 Prozent höher. Die Produktivität je Beschäftigten hat sich in diesem Zeitraum um 3 Prozent verringert.

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